{"id":5537,"date":"2025-12-23T14:31:14","date_gmt":"2025-12-23T13:31:14","guid":{"rendered":"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/index.php\/?p=5537"},"modified":"2025-12-23T15:13:24","modified_gmt":"2025-12-23T14:13:24","slug":"digitale-korpora-in-der-historischen-bildungsforschung-erzeugung-und-analytische-perspektiven-am-beispiel-von-fadelive-1782-1891","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/index.php\/beitrag\/5537\/","title":{"rendered":"Digitale Korpora in der Historischen Bildungsforschung: Erzeugung und analytische Perspektiven am Beispiel von FaDe:Live (1782\u20131891)"},"content":{"rendered":"<p>Im Verlauf des 19. Jahrhunderts etabliert sich die Vermittlung von Literatur im deutschsprachigen Unterricht an h\u00f6heren Schulen. Seitdem geh\u00f6rt Literatur zum integralen Bestandteil des Fachs <em>Deutsch<\/em> an weiterf\u00fchrenden Schulen und zu ihren kanonischen Unterrichtsgegenst\u00e4nden.<\/p>\n\n\n<p>Den Diskurs dieser Entwicklung untersucht das Projekt \u201e\u201aLesen hei\u00dft diese \u00dcbung\u2018 \u2013 und dann? Begriffe und intendierte Praktiken der Vermittlung deutschsprachiger Literatur an h\u00f6heren Schulen 1796\u20131890\u201c (<span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-YNAQIKA9--wp5537 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:YNAQIKA9}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>, <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.25625\/APN9VH\">doi:10.25625\/APN9VH<\/a>) mit einem Schwerpunkt auf Preu\u00dfen vor dem Hintergrund zweier Leitfragen: Inwiefern wird die Fachlichkeit der schulischen Literaturvermittlung durch das Verh\u00e4ltnis zwischen der Entwicklung von Ausdr\u00fccken zu Begriffen mit terminologischer Qualit\u00e4t, intendierten Unterrichtspraktiken und Vermittlungszielen formiert? In welchen Bez\u00fcgen steht diese Fachlichkeit zur \u00c4nderung des kollektiven Begriffsinventars von vormodernen zu modernen Semantiken innerhalb der sogenannten <em>Sattelzeit <\/em>(1750\u20131850) <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-Q6BKTZBG--wp5537 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'XVI-XVIII', 'items': '{2445049:Q6BKTZBG}', 'format': '(vgl. %a%, %d%, %p%)', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>?<\/p>\n\n\n\n<p>Operationalisiert werden diese Fragestellungen anhand des <em>scalable Reading <\/em>von Quellen, die im Vorfeld zu einem maschinenlesbaren Korpus aggregiert wurden: <em>Fachlichkeit des Deutschunterrichts: Literaturvermittlung, FaDe:Live (1782\u20131891)<\/em>. Zum Zeitpunkt der Finalisierung des Korpus im April 2025 enth\u00e4lt es alle digitalisierten Monographien, Zeitschriftenartikel und staatlichen Lehrpl\u00e4ne zur Literaturvermittlung im Rahmen des Untersuchungsfokus. Es setzt sich aus klassischen ideengeschichtlichen Quellen der Bildungsgeschichte wie etwa Ausz\u00fcge aus Basedows <em>Elementarwerk<\/em> (1785), aus der von Joachim H. Campe herausgegebenen <em>Revision <\/em>(1787) und aus Friedrich D. E. Schleiermachers <em>Erziehungslehre <\/em>(1813) sowie zu einem Gro\u00dfteil aus bisher nicht beachteten Quellen zusammen. In der aktuellen Version ist es ein ad\u00e4quates Modell des \u00f6ffentlich-schriftlichen Diskurses \u00fcber Literaturvermittlung an h\u00f6heren Schulen im 19. Jahrhundert. Damit bietet das Korpus eine Quellengrundlage f\u00fcr eine integrative und interdisziplin\u00e4re Geschichte der Fachlichkeitsforschung (vgl. <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-M3BVKFTL-_-2445049-JSULM8EQ-_-2445049-V3R3RRNL-_-2445049-IQHKI8MG--wp5537 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:M3BVKFTL},{2445049:JSULM8EQ},{2445049:V3R3RRNL},{2445049:IQHKI8MG}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Quellen und Autoren<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Quellen stammen aus heterogenen Archiven. Neben der Verwendung der vielen digitalen Angebote im deutschsprachigen Raum zu bildungsgeschichtlichen Quellen \u2013 von denen sich die gr\u00f6\u00dften Sammlungen auf <a href=\"https:\/\/gei-digital.gei.de\">GEI-Digital<\/a> des Georg-Eckert-Institut in Braunschweig, auf <a href=\"https:\/\/scripta.bbf.dipf.de\">ScriptaPaedagogica<\/a> der Bibliothek f\u00fcr Bildungsgeschichtliche Forschung in Berlin und in der <a href=\"https:\/\/www.digitale-sammlungen.de\/de\">Digitalen Bibliothek<\/a> des M\u00fcnchener DigitalisierungsZentrum befinden \u2013 mussten einige relevante Texte zun\u00e4chst in weiteren Bibliotheken wie der Staatsbibliothek zu Berlin identifiziert und gescannt werden. Neben Funden in kleineren digitalen Archiven z\u00e4hlen ebenso Digitalisate aus den Sammlungen von Google und dem Internet Archive zum Korpus. Sowohl f\u00fcr die Zusammenstellung digitaler als auch analoger Quellen aus Zeitschriften wurde eine Liste erstellt, die mit 119 Zeitschriften mindestens einen Gro\u00dfteil aller im 19. Jahrhundert erschienenen p\u00e4dagogischen Zeitschriften zu h\u00f6heren Schulen in Deutschland umfasst. In den entsprechenden digitalen Repositorien und analogen Exemplaren der Zeitschriften wurden deren Inhaltsverzeichnisse und Artikeltitel durchgesehen, um relevante Aufs\u00e4tze und Rezensionen zu filtern. Aus den Digitalisaten wurden manuell die Texte extrahiert, die im Kontext der Fragestellung und des Untersuchungszeitraums relevant sind. Die analogen Quellen wurden fotomechanisch gescannt und in PDF-Dokumente konvertiert. Daf\u00fcr umfasste das Magazin der BBF eine hervorragende Sammlung gedruckter Quellen, in der w\u00e4hrend eines Forschungsaufenthalts im Winter von 2022 auf 2023 weitl\u00e4ufig recherchiert wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus den 1022 recherchierten Texten konnten letztlich 963 in guter Qualit\u00e4t OCR verarbeitet werden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table is-style-regular\"><table><thead><tr><th>Textklasse<\/th><th>Texte<\/th><th>Tokens<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Zeitschriftenartikel<\/td><td>893<\/td><td>3.239.051<\/td><\/tr><tr><td>Lexikonartikel<\/td><td>21<\/td><td>226.241<\/td><\/tr><tr><td>Monographie<\/td><td>32<\/td><td>1.778.254<\/td><\/tr><tr><td>Verordnung<\/td><td>15<\/td><td>48.910<\/td><\/tr><tr><td>Rede<\/td><td>2<\/td><td>4.693<\/td><\/tr><tr><td><em>Summe<\/em><\/td><td><em>963<\/em><\/td><td><em>5.297.149<\/em><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Tabelle 1: \u00dcbersicht \u00fcber die Quellen<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Viele Monographien zum deutschsprachigen Unterricht im 19. Jahrhundert sind bereits digitalisiert. Darunter befinden sich alle bisher in der Historiographie des Deutschunterrichts rezipierten Monographien. Ebenfalls wurden alle p\u00e4dagogischen Lexika, die im Kontext der Fragestellung relevant sein k\u00f6nnten, auf Artikel durchsucht. Dabei hat sich herausgestellt, dass nur die <em>Encyklop\u00e4die des gesammten Erziehungs- und Unterrichtswesens<\/em> (1859ff.) viele wichtige Artikel enth\u00e4lt. Weitere Nachrecherchen ergaben zudem, dass diese bildungshistorisch bedeutsame und umfangreichste Enzyklop\u00e4die des 19. Jahrhunderts bisher nicht Gegenstand bildungshistorischer Forschung war <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-PRVW4P3C--wp5537 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:PRVW4P3C}', 'format': '(vgl. %a%, %d%, %p%)', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>. Das Korpus umfasst dar\u00fcber hinaus die zwei f\u00fcr die zeitliche Eingrenzung wesentlichen Reden von Johann G. Herder (1796) und Friedrich Wilhelm II (1890) sowie nicht digital verf\u00fcgbare Aufs\u00e4tze aus analogen Anthologien. In den bisher angef\u00fchrten Textklassen wird gleichzeitig eine Limitation des Projektes deutlich: Schulprogramme und die Verordnungen anderer deutscher Staaten als Preu\u00dfen wurden nicht in das Korpus integriert. Das hat den pragmatischen Grund der zeitlichen sowie personellen Limitierung des nur von einem Forscher durchgef\u00fchrten Projektes im Rahmen der wissenschaftlichen Qualifikationsphase. Parallel zur Zusammenstellung des Korpus wurden die Texte mit Metadaten in einer CSV-Datei erfasst.<\/p>\n\n\n\n<p>So versammeln sich in dem Korpus die schon angef\u00fchrten Texte der prominenten Theoretiker und Praktiker genauso wie solche, die bisher paradigmatisch f\u00fcr die Entwicklung des Deutschunterrichts stehen, wie Otto Lyon, Ernst Laas, Rudolf Lehmann, Rudolf Hildebrandt, Robert H. Hiecke und K. E. Philipp Wackernagel. Aber auch weniger bekannte Autoren wie Heinrich Viehoff und Heinrich Deinhardt und schlie\u00dflich bisher kaum rezipierte aber produktive Schulm\u00e4nner wie Karl Gude finden sich unter den Verfassern. Der wirklich spannende Teil an dieser Partie ist einerseits die diskursive Verflechtung von P\u00e4dagogik und nationalsprachlicher Fachlichkeit sowie damit von \u00c4sthetik, Philosophie, Politik und Religion. Andererseits umfasst das Korpus ganz im Sinne der Literaturwissenschaftlerin Margaret Cohens mit den 421 namentlich genannten und 88 ungenannten Autoren einen wesentlichen Teil der \u201egreat unread\u201c der Literaturvermittlung an deutschen h\u00f6heren Schulen im 19. Jahrhundert <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-NT9PMGGH--wp5537 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': '55', 'items': '{2445049:NT9PMGGH}', 'format': '(vgl. %a%, %d%, %p%)', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Aufbereitung<\/h2>\n\n\n\n<p>Etliche der quellenkritisch erschlossenen Digitalisate weisen eine unzureichende OCR-Qualit\u00e4t auf, was das Natural-Language-Processing, die Visualisierungen sowie die aus den Daten abgeleiteten Ergebnisse verzerrt <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-5WMRVG4X--wp5537 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:5WMRVG4X}', 'format': '(zu OCR einf\u00fchrend vgl. %a%, %d%, %p%)', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>. Um die Qualit\u00e4t der maschinenlesbaren Texte zu erh\u00f6hen und weil die meisten in Fraktur gesetzt sind, wurde OCR4all verwendet \u2013 das open source Tool, mit der besten OCR-Qualit\u00e4t f\u00fcr historische Texte von Christian Reul et al. <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-FGN68J65--wp5537 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:FGN68J65}', 'format': '(%d%)', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>. In einem Vergleich mit dem kostenpflichtigen Abbyy-Finereader und Googles open-source Bibliothek <em>tesseract<\/em> hat OCR4all die besten Ergebnisse erzielt. Auch das kostenpflichtige Programm <em>Transkribus<\/em> kann die PDF-Dokumente, die OCR4all Schwierigkeiten bereiten, nicht in einer zufriedenstellenden Qualit\u00e4t scannen. Ein Nachteil von OCR4all ergab sich aus der Tatsache, dass zum Zeitpunkt der Erstellung des Korpus nur einzelne Texte OCR gescannt werden konnten, was sich als \u00e4u\u00dferst zeitintensiv gestaltete.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"322\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Heimboeckel-2025-Abb_1_png-322x1024.png\" alt=\"Abbildung 1: Verarbeitungsschritte am Beispiel von Robert Heinrich Hieckes: Das Princip der Restauration in der P\u00e4dagogik; Copyright Heimb\u00f6ckel\" class=\"wp-image-5561\" srcset=\"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Heimboeckel-2025-Abb_1_png-322x1024.png 322w, https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Heimboeckel-2025-Abb_1_png-94x300.png 94w, https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Heimboeckel-2025-Abb_1_png-60x190.png 60w, https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Heimboeckel-2025-Abb_1_png.png 416w\" sizes=\"auto, (max-width: 322px) 100vw, 322px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Abb. 1: OCR und NLP am Beispiel von Robert Heinrich Hieckes: Das Princip der Restauration in der P\u00e4dagogik (1841) <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-DZ9N5D9L--wp5537 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:DZ9N5D9L}', 'format': '(%a%, %d%, %p%)', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem OCR liegt jede Quelle als einzelne, mit einer ID versehenen Textdatei vor. Diese IDs sind essenziell f\u00fcr die Nachnutzung, die weitere Verarbeitung, das Mapping der Metadaten und die Transposition in XML bzw. TEI zur Archivierung. In einem ersten Verarbeitungsschritt von den maschinenlesbaren TXT-Dateien (raw) wurden Kopf- und Fu\u00dfzeilen, Titel, Inhaltsverzeichnisse etc., d.h. alle paratextuellen Elemente getilgt. Erst TXT (content) entspricht dem Textkorpus der Untersuchung. Diese so bearbeiteten Texte werden in die CSV-Datenbank integriert, um eine kombinierte Datei aus Metadaten und Text zu erzeugen. Zur Erleichterung der sp\u00e4teren Arbeit mit den Daten, wie etwa die Bildung von Subkorpora und die Erzeugung von Statistiken, wurde MongoDB als eine der niedrigschwelligeren Datenbanken genutzt. Zwar hat Mongo eine Benutzeroberfl\u00e4che, jedoch auch eine eigene Abfragesyntax, sodass f\u00fcr Projekte dieser Art, solange kein:e entsprechenden Spezialist:innen Teil des Teams sind, f\u00fcr eine erste Korpuserstellung eine CSV-Datenbank empfehlenswert ist. F\u00fcr alle bisher dargestellten Prozesse und auch f\u00fcr alle weiteren Verarbeitungen der Daten wurde die Programmiersprache <em>Python<\/em> verwendet.<\/p>\n\n\n\n<p>N\u00fcchtern gesprochen erm\u00f6glicht <em>Python<\/em> einen einfachen Zugriff auf CSV-Dateien sowie Datenbanken und eignet sich sehr gut zur Verarbeitung von Text in Form von Matrizen und Listen sowie mit kuratierten Programmbibliotheken f\u00fcr einfaches (<em>nltk<\/em>, <em>spaCy<\/em>) und komplexes Natural-Language-Processing (<em>scikit-learn<\/em>, <em>gensim<\/em>, <em>mallet<\/em>). Mit der Emphase eines Philologen ausgedr\u00fcckt: Es ist ein einzigartiges Alchemielabor.<\/p>\n\n\n\n<p>Die erste Verarbeitungsstufe ist TXT (min): Trotz OCR entstehen Fehler und abweichende Schreibweisen, sodass alle Ausdr\u00fccke mit vier oder weniger Nonsens-Buchstabenfolgen getilgt und Ausdr\u00fccke normalisiert wurden. Dadurch konnte die OCR-Qualit\u00e4t von einer Fehlerquote von 8,9 Prozent auf 3,7 Prozent reduziert werden, was f\u00fcr eine Erzeugung von Word-Vektor-Modellen sehr gut bis ideal ist \u2013 siehe hierzu weiter unten.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit einer Ersetzungsfunktion werden in der Verarbeitungsstufe TXT (min) au\u00dferdem Zeilenumbr\u00fcche, Abs\u00e4tze und Bindestriche getilgt, um getrennte W\u00f6rter an Zeilenenden als ganze W\u00f6rter zu rekonstruieren. Au\u00dferdem werden in dieser Vorverarbeitungsstufe alle Buchstaben in Minuskel gesetzt, da gro\u00dfgeschriebene Satzanf\u00e4nge unterschiedlichster Wortarten zu einer unscharfen Lemmatisierung f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Lemmatisierung mit dem HanoverTagger <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-KXEDBR3V--wp5537 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:KXEDBR3V}', 'format': '(vgl. %a%, %d%, %p%)', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span> reduziert W\u00f6rter auf ihre morphologischen Grundformen, was angesichts der unterschiedlichen sowie historischen Schreibweisen als herausfordernd und fehleranf\u00e4llig ist. Diese Vorverarbeitungsstufe wird hier als TXT (lem) bezeichnet. Dar\u00fcber hinaus werden alle Sonderzeichen getilgt, um Themen modellieren und Texte anhand von Clusteranalysen vergleichen zu k\u00f6nnen. Die Entfernung von Stoppw\u00f6rtern ist erst nach einer Lemmatisierung von TXT (min) zu TXT (lem) sinnvoll, weil dann auch alle Variationen von Deklinationen und Konjugationen ber\u00fccksichtigt werden. Stoppw\u00f6rter, die keine semantische Relevanz besitzen, werden entfernt \u2013 mit Ausnahme von W\u00f6rtern, die im Kern Negation oder Totalit\u00e4t semantisieren wie \u201enicht\u201c oder \u201eganz\u201c. Negationen sind f\u00fcr die Verf\u00e4cherung, Fachlichkeit und die damit einhergehende Wissensproduktion selbst konstitutiv, da sie zwischen fachlich Angemessenem und fachlich nicht Angemessenem unterscheiden, damit Einschluss, Ausschluss und Kontinuit\u00e4t erzeugen <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-JSULM8EQ--wp5537 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': '616-617', 'items': '{2445049:JSULM8EQ}', 'format': '(vgl. %a%, %d%, %p%)', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>. Ausdr\u00fccke, die hingegen auf Totalit\u00e4t abzielen, sind einerseits f\u00fcr den im 19. Jahrhundert entstehenden Nationalismus zur Konstruktion kulturell homogener Staaten und andererseits f\u00fcr die fachliche Ausdifferenzierung vor dem Hintergrund idealistischer Philosophie grundlegend. Die beiden Annahmen best\u00e4tigt das Korpus: \u201enicht\u201c, \u201edeutsch\u201c, ganz\u201c, \u201ewort\u201c, \u201eschueler\u201c sind die f\u00fcnf h\u00e4ufigsten Ausdr\u00fccke.<\/p>\n\n\n\n<p>Den gesamten Workflow zur Erstellung des Korpus und dessen Vorverarbeitung skizziert das folgende Flussdiagramm:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"867\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Heimboeckel-2025-Abb_2_final-867x1024.png\" alt=\"Abbildung 2: Ein Verfahren zur Erstellung digitaler Korpora; eigene Darstellung nach Heimb\u00f6ckel 2025, https:\/\/doi.org\/10.48693\/730\" class=\"wp-image-5707\" srcset=\"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Heimboeckel-2025-Abb_2_final-867x1024.png 867w, https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Heimboeckel-2025-Abb_2_final-254x300.png 254w, https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Heimboeckel-2025-Abb_2_final-161x190.png 161w, https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Heimboeckel-2025-Abb_2_final-768x907.png 768w, https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Heimboeckel-2025-Abb_2_final-1301x1536.png 1301w, https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Heimboeckel-2025-Abb_2_final-1735x2048.png 1735w\" sizes=\"auto, (max-width: 867px) 100vw, 867px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><em>Abb. 2: Ein Verfahren zur Erstellung digitaler Korpora; eigene Darstellung <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-DZ9N5D9L--wp5537 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:DZ9N5D9L}', 'format': '(%a%, %d%, %p%)', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span><\/em><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Perspektiven auf das skalierbare Lesen maschinenlesbarer Korpora<\/h2>\n\n\n\n<p>Die datafizierten Artefakte <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-DZ9N5D9L--wp5537 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:DZ9N5D9L}', 'format': '(vgl. das zweite Poster in: %a%, %d%, %p%)', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span> erm\u00f6glichen eine Analyse des Korpus, f\u00fcr die Franco Moretti den Asudruck <em>distant Reading <\/em><span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-NT9PMGGH--wp5537 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:NT9PMGGH}', 'format': '(vgl. %a%, %d%, %p%)', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span> gepr\u00e4gt hat und der seitdem als ein heuristischer Terminus f\u00fcr quantitative Korpusanalysen in den Digital Humanities verwendet wird. Analog zum distant Reading und close Reading wird mit der Metapher <em>scalable Reading <\/em>(<em>skalierbares Lesen<\/em>) ein stufenweiser Wechsel zwischen unterschiedlich nahen und distanzierten analytischen Dimensionen heuristisch umschrieben (vgl. <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-J2IKN33I-_-2445049-FXC6FAVW--wp5537 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np--66', 'items': '{2445049:J2IKN33I},{2445049:FXC6FAVW}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>). Die damit verbundenen Verfahren sind teilweise methodisch aufeinander angewiesen und erm\u00f6glichen in ihrer Kombinatorik differenzierte Einblicke in das Korpus, die im Folgenden anhand zweier Beispiele als Ausblick auf analytische Optionen grob skizziert werden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"544\" src=\"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Heimboeckel-2025-Abb_3_weisser_Rand-1024x544.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-5659\" srcset=\"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Heimboeckel-2025-Abb_3_weisser_Rand-1024x544.png 1024w, https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Heimboeckel-2025-Abb_3_weisser_Rand-300x159.png 300w, https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Heimboeckel-2025-Abb_3_weisser_Rand-357x190.png 357w, https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Heimboeckel-2025-Abb_3_weisser_Rand-768x408.png 768w, https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Heimboeckel-2025-Abb_3_weisser_Rand.png 1445w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Abb. 3: Wortwolke des extrahierten Termkandidatenvokabulars Begriffe 2.2 zur Veranschaulichung der Analyse des interdiskursiven Vokabulars von FaDe:Live, basierend auf tf-idf-Werten<\/em> <em>(<span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-YNAQIKA9--wp5537 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:YNAQIKA9}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>, Begriffe_8_Termset_2.2_wordcloud_tfidf.png)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wortwolken geh\u00f6ren mittlerweile zu standardisierten und automatisierten Komprimierungen des lexikalischen Materials auf Webseiten. Hier veranschaulicht die Grafik das Ergebnis einer reduktiven Analyse des Vokabulars des Korpus mit Clusterverfahren und Word-Embeddings in Hinblick auf interdiskursive und konzeptionelle Ausdr\u00fccke. Weil sie in dieser Hinsicht f\u00fcr den Diskurs konstitutiv und terminologisch relevant sind, bilden sie ein Termkandidatenset, oder einfacher ausgedr\u00fcckt: ein Termset. In der Grafik entspricht die Gr\u00f6\u00dfe der Ausdr\u00fccke ihrer Relevanz anhand der term frequency-inverse document frequency-Werte (<em>tf-idf<\/em> \u2013 ein Wert, der die absolute Frequenz eines Ausdrucks in einem Text in Hinblick auf das Vorkommen dieses Ausdrucks in allen anderen Texten des Korpus relativiert). Die Farben sind nur Indizes zur Unterscheidung der manuell interpretierten Kategorien der knapp 1000 relevantesten Ausdr\u00fccke und tragen keinen semantischen Wert: Alterit\u00e4t (blau, bspw. \u201efremd\u201c), Moral (gr\u00fcn, bspw. \u201esittlich\u201c), Anthropologie (grau, bspw. \u201eleben\u201c), Idealismus (orange, bspw. \u201egeist\u201c), \u00c4sthetik (t\u00fcrkis, bspw, \u201ebild\u201c), P\u00e4dagogik (braun, bspw. \u201eerziehung\u201c), Praktik (lila, bspw. \u201elernen\u201c), Nation (rot, bspw. \u201efranzoesisch\u201c). Aus dem interdiskursiven Vokabular der Literaturvermittlung k\u00f6nnten nun einzelne Ausdr\u00fccke oder spezifische Kombinationen von Ausdr\u00fccken weiter analysiert werden: etwa diachron anhand von Wortverlaufskurven \u00fcber das gesamte Korpus hinweg, synchron anhand der Verteilungssemantik in einem Wort-Vektor-Modell oder im close Reading anhand konkreter Texte sowie Textstellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der rosa Elefant schwebt \u00fcber der Wolke: Der national getaggte Ausdruck \u201edeutsch\u201c befindet sich in allen relevanten Vokabularen des Korpus an erster Stelle. Der Diskurs der Literaturvermittlung an h\u00f6heren Schulen ist in Preu\u00dfen im 19. Jahrhundert, was nicht weiter verwundert, im Kern nationalkulturell gepr\u00e4gt \u2013 das gilt f\u00fcr die Literaturvermittlung an weiterf\u00fchrenden Schulen in den DACH-Staaten bis heute. Die sich daran anschlie\u00dfende Frage zielt auf das fachliche Selbstverst\u00e4ndnis des Deutschunterrichts und der schulischen Literaturvermittlung ab: M\u00fcssten nicht innerhalb des Faches terminologische Kontinuit\u00e4ten reflektiert und diese angesichts eines deutlich ver\u00e4nderten gesellschaftlichen und politischen Systems, das nicht mehr nationalstaatlich ist, entsprechend gekappt werden?<\/p>\n\n\n\n<p>In der folgenden Grafik verschmelzen die Analyse der Texte, der algorithmisch (re-)konstruierten Topics und des interdiskursiven Vokabulars in einem Verlaufs- und Balkendiagramm.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"507\" src=\"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Heimboeckel-2025-Abb_4-1024x507.png\" alt=\"Abbildung 4: Top-50 Texte der Top-10 Topics des interdiskursiven Vokabulars verteilt auf Jahre ein Ergebnis der Analyse des interdiskursiven Vokabulars von FaDe:Live; Copyright Heimb\u00f6ckel\" class=\"wp-image-5556\" srcset=\"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Heimboeckel-2025-Abb_4-1024x507.png 1024w, https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Heimboeckel-2025-Abb_4-300x149.png 300w, https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Heimboeckel-2025-Abb_4-384x190.png 384w, https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Heimboeckel-2025-Abb_4-768x380.png 768w, https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Heimboeckel-2025-Abb_4.png 1385w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Abb. 4: Top-50 Texte der Top-10 Topics relativiert auf Termset Begriffe 2 verteilt auf Jahre als ein Ergebnis der Analyse des interdiskursiven Vokabulars von FaDe:Live (<span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-YNAQIKA9--wp5537 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:YNAQIKA9}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>: Begriffe_7_Termset_2_Topics_pro_Jahr_diff.png)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem in die Pipeline von Bayerschmidt <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-2UBYYLWM--wp5537 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:2UBYYLWM}', 'format': '(%d%)', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span> ingegrierten Topic-Model-Algorithmus <em>MALLET<\/em> wurden 30 Topics ermittelt. Abbildung 3 zeigt die 50 wichtigsten Texte der zehn wichtigsten dieser 30 Topics relativ zum Termkandidatenset im Zeitverlauf.<\/p>\n\n\n\n<p>Jeder Datenbalken repr\u00e4sentiert den Anteil der 50 Texte, die in einem der Jahre des Korpusintervalls ver\u00f6ffentlicht wurden und einem auf das Termset relativierte Topic am ehesten entsprechen. So sind etwa im Jahr 1782 auf sechs verschiedene Topics jeweils ein Text verteilt. Im Jahr 1891 sind auf f\u00fcnf verschiedene Topics neun Texte verteilt, darunter die meisten auf das Topic <em>2 Unterstufe<\/em>. Die gestrichelte Linie modelliert die Entwicklung der interdiskursiven Terminologie des Fachdiskurses anhand des gleitenden Mittelwerts der summierten Anzahl der Top-Texte pro Topic und Jahr. Damit ist das Diagramm eine m\u00f6gliche Visualisierung der Entwicklung der interdiskursiv gepr\u00e4gten Terminologie des literaturvermittelnden Diskurses. Daraus lassen sich etwa ableiten:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>die diskursiv relevanten Intervalle, wie zum Beispiel 1841 bis 1844,<\/li>\n\n\n\n<li>die Entwicklung thematischer Schwerpunkte innerhalb des Diskurses, wie zum Beispiel der Relevanzverlust einer idealistisch gepr\u00e4gten und mit der Institutionalisierung der Literaturvermittlung verbundenen Semantik (Topic <em>0 <\/em>und <em>27<\/em>) ab den 1870er Jahren sowie in den 1880er Jahren eine st\u00e4rkere Fokussierung des Diskurses auf Aspekte der Unterstufe und auf eine patriotisch ausgerichtete Literaturvermittlung (Topic <em>2 <\/em>und <em>26<\/em>).<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Schluss<\/h2>\n\n\n\n<p>Das dargestellte Projekt ist von der Aggregation des Korpus \u00fcber die Aneignung der Methoden bis hin zu Auswertung sehr aufwendig. Ohne die Digitalisierung in nach Qualit\u00e4tsstandards arbeitenden Forschungs- und Universit\u00e4tsbibliotheken ist diese Arbeit kaum m\u00f6glich. Erschwert wird sie durch die prek\u00e4re Situation vieler Wissenschaftler:innen in der akademischen Qualifikationsphase. Dar\u00fcber hinaus sind die humanwissenschaftlichen Disziplinen in Hinblick auf die beschriebenen Ans\u00e4tze noch weitestgehend unsortiert. Um einen fruchtbaren N\u00e4hrborden f\u00fcr die Entstehung und Entwicklung solcher Arbeiten zu bereiten, m\u00fcsste die Gemeinschaft dieser Disziplinen sowohl innerhalb als auch \u00fcbergreifend methodischen Innovationen gegen\u00fcber offener sein und neue beziehungsweise andere Perspektiven auf Tradiertes zulassen. Idealerweise werden solche Projekte begleitet von einem interdisziplin\u00e4ren Rahmenprogramm, etwa im Kontext von thematisch ausgerichteten Arbeitsgruppen oder Kollegs, oder werden von Lehrst\u00fchlen geleitet, deren Forschungsumgebung die Aneignung der methodischen Grundlagen f\u00fcr Qualifikand:innen erm\u00f6glicht, wie etwa durch Zertifikatskurse f\u00fcr die Digital Humanities und Sozialwissenschaften.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu den f\u00f6rdernden Rahmenbedingungen m\u00f6chte auch die hier skizzierte Arbeit beitragen, indem das methodische Vorgehen und die Daten zur Evaluation, Nachnutzung und Ankn\u00fcpfung Interessierten frei zug\u00e4nglich gemacht wird. Erste Versionen des Datasets von FaDe:Live wurden im Repositorium <a href=\"https:\/\/data.goettingen-research-online.de\/\">GRO.data<\/a> abgelegt (<span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-YNAQIKA9--wp5537 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:YNAQIKA9}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>, <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.25625\/APN9VH\">doi:10.25625\/APN9VH<\/a>). GRO.data ist Teil der eResearch Alliance der Gesellschaft f\u00fcr wissenschaftliche Datenverarbeitung, die von der Max Planck Gesellschaft sowie der Georg-August-Universit\u00e4t G\u00f6ttingen gegr\u00fcndet wurde. Ein ganz wesentlicher Vorzug von GRO.data ist der unmittelbare Zugang f\u00fcr Mitarbeitende an nieders\u00e4chsischen Universit\u00e4ten \u00fcber die digitale Infrastruktur Academic Cloud. Dass der Ablage-Service nur Mitarbeitenden nieders\u00e4chsischer Universit\u00e4ten zur Verf\u00fcgung steht, ist gleichzeitig ein Nachteil dieses Repositoriums. Das Dataset umfasst als Erg\u00e4nzung bisher zwei Poster (<span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-DZ9N5D9L--wp5537 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:DZ9N5D9L}', 'format': 's. auch %a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>, <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.48693\/730\">doi: 10.48693\/730<\/a>), welche die Aufbereitung des Korpus und die Verarbeitung der Daten skizzieren, die Metadatendatei und erste Ausgaben des verarbeiteten Korpus, Statistiken, Grafiken und das Vokabular der Verarbeitung TXT (stop). Das Dataset wird kontinuierlich erweitert, sodass es mit der Finalisierung den FAIR-Prinzipien entspricht: Alle Texte werden in der Verarbeitungsstufe <em>content<\/em> als TXT und als XML (TEI) mit IDs sowie Links zu den Digitalisaten, die verschiedenen Statistiken in Form von Listen sowie Matrizen, Grafiken, der Code und Metadaten der wissenschaftlichen Gemeinschaft zur Verf\u00fcgung gestellt. Die zur Verarbeitung, Reproduktion und Exploration des Korpus verwendete Software findet sich vollst\u00e4ndig auf GitHub (<span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-VA8PUB48--wp5537 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:VA8PUB48}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>, <a href=\"https:\/\/github.com\/hendheim\/FaDeLive\">https:\/\/github.com\/hendheim\/FaDeLive<\/a>). Der Abschluss des Projektes ist 2026 geplant.<\/p>\n\n\n\n<p>Das hei\u00dft nicht, dass damit beansprucht wird, die Geschichte der Fachlichkeit des Deutschunterrichts im 19. Jahrhundert abzuschlie\u00dfen \u2013 im Gegenteil. Zum einen bieten die digitalen Geistes- und Sozialwissenschaften neue Perspektiven auf die schon bestehenden Historiographien, die bestehende Forschung best\u00e4tigen und weiter herausfordern wird. Zum anderen sind im Kontext einer digitalen Bildungsgeschichte Daten aggregierende Projekte anschlussf\u00e4hig, in der das bisherige Korpus um Schulprogramme <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-83AIVF24--wp5537 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:83AIVF24}', 'format': '(vgl. %a%, %d%, %p%)', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>, Abituraufs\u00e4tze <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-FTT6LGMN--wp5537 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:FTT6LGMN}', 'format': '(vgl. %a%, %d%, %p%)', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>, Verordnungen, Quellen s\u00fcddeutscher Gebiete und auch um solche der DACH-Staaten sowie Luxemburg und der deutschsprachigen Gemeinschaft in Belgien erweitert werden kann. In einem sehr weiten zeitlichen und geographischen Winkel ist eine kultur- und disziplin\u00fcbergreifende Geschichte der Fachlichkeiten m\u00f6glich, weil es eine gemeinsame Basis gibt: maschinenlesbare Texte.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Literatur<\/h2>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.zotero.org\/groups\/2445049\/bildungsgeschichte.de_-_bibliographien\/collections\/A9PA34EL\">Zur Zotero-Library<\/a><\/p>\n\n\n\n\n<div id='zp-InTextBib-zotpress-ee7baa80b7eae9f791ff90ee5d7018a0' class='zp-Zotpress zp-Zotpress-InTextBib wp-block-group zp-Post-5537'>\r\n\t\t<span class=\"ZP_ITEM_KEY ZP_ATTR\">{2445049:YNAQIKA9};{2445049:Q6BKTZBG};{2445049:M3BVKFTL},{2445049:JSULM8EQ},{2445049:V3R3RRNL},{2445049:IQHKI8MG};{2445049:PRVW4P3C};{2445049:NT9PMGGH};{2445049:5WMRVG4X};{2445049:FGN68J65};{2445049:DZ9N5D9L};{2445049:KXEDBR3V};{2445049:JSULM8EQ};{2445049:DZ9N5D9L};{2445049:DZ9N5D9L};{2445049:NT9PMGGH};{2445049:J2IKN33I},{2445049:FXC6FAVW};{2445049:YNAQIKA9};{2445049:YNAQIKA9};{2445049:2UBYYLWM};{2445049:YNAQIKA9};{2445049:DZ9N5D9L};{2445049:VA8PUB48};{2445049:83AIVF24};{2445049:FTT6LGMN}<\/span>\r\n\t\t<span class=\"ZP_STYLE ZP_ATTR\">apa<\/span>\r\n\t\t<span class=\"ZP_SORTBY ZP_ATTR\">creator<\/span>\r\n\t\t<span class=\"ZP_ORDER ZP_ATTR\">asc<\/span>\r\n\t\t<span class=\"ZP_TITLE ZP_ATTR\"><\/span>\r\n\t\t<span class=\"ZP_SHOWIMAGE ZP_ATTR\"><\/span>\r\n\t\t<span class=\"ZP_SHOWTAGS ZP_ATTR\"><\/span>\r\n\t\t<span class=\"ZP_DOWNLOADABLE ZP_ATTR\"><\/span>\r\n\t\t<span class=\"ZP_NOTES ZP_ATTR\"><\/span>\r\n\t\t<span class=\"ZP_ABSTRACT ZP_ATTR\"><\/span>\r\n\t\t<span class=\"ZP_CITEABLE ZP_ATTR\">1<\/span>\r\n\t\t<span class=\"ZP_TARGET ZP_ATTR\"><\/span>\r\n\t\t<span class=\"ZP_URLWRAP ZP_ATTR\"><\/span>\r\n\t\t<span class=\"ZP_FORCENUM ZP_ATTR\">0<\/span>\r\n\t\t<span class=\"ZP_HIGHLIGHT ZP_ATTR\"><\/span>\r\n\t\t<span class=\"ZP_POSTID ZP_ATTR\">5537<\/span><div class='zp-List loading'>\n<div class=\"zp-SEO-Content\"><\/div><!-- .zp-zp-SEO-Content -->\n<\/div><!-- .zp-List --><\/div><!--.zp-Zotpress-->\n\n\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Verlauf des 19. Jahrhunderts etabliert sich die Vermittlung von Literatur im deutschsprachigen Unterricht an h\u00f6heren Schulen. Seitdem geh\u00f6rt Literatur zum integralen Bestandteil des Fachs Deutsch an weiterf\u00fchrenden Schulen und zu ihren kanonischen Unterrichtsgegenst\u00e4nden. Den Diskurs dieser Entwicklung untersucht das Projekt \u201e\u201aLesen hei\u00dft diese \u00dcbung\u2018 \u2013 und dann? Begriffe und intendierte Praktiken der Vermittlung deutschsprachiger Literatur an h\u00f6heren Schulen 1796\u20131890\u201c (, doi:10.25625\/APN9VH) mit einem Schwerpunkt auf Preu\u00dfen vor dem Hintergrund zweier Leitfragen: Inwiefern wird die Fachlichkeit der schulischen Literaturvermittlung durch das Verh\u00e4ltnis zwischen der Entwicklung von Ausdr\u00fccken zu Begriffen mit terminologischer Qualit\u00e4t, intendierten Unterrichtspraktiken und Vermittlungszielen formiert? In welchen Bez\u00fcgen steht diese Fachlichkeit zur \u00c4nderung des kollektiven Begriffsinventars von vormodernen zu modernen Semantiken innerhalb der sogenannten Sattelzeit (1750\u20131850) ? Operationalisiert werden diese Fragestellungen anhand des scalable Reading von Quellen, die im Vorfeld zu einem maschinenlesbaren Korpus aggregiert wurden: Fachlichkeit des Deutschunterrichts: Literaturvermittlung, FaDe:Live (1782\u20131891). Zum Zeitpunkt der Finalisierung des Korpus im April 2025 enth\u00e4lt es alle digitalisierten Monographien, Zeitschriftenartikel und staatlichen Lehrpl\u00e4ne zur Literaturvermittlung im Rahmen des Untersuchungsfokus. Es setzt sich aus klassischen ideengeschichtlichen Quellen &hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":5719,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[23,5,4],"tags":[],"class_list":["post-5537","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-daten","category-quellen","category-werkstatt"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5537","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5537"}],"version-history":[{"count":97,"href":"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5537\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5785,"href":"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5537\/revisions\/5785"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5719"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5537"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5537"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5537"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}