{"id":5319,"date":"2025-08-19T19:09:57","date_gmt":"2025-08-19T17:09:57","guid":{"rendered":"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/index.php\/?p=5319"},"modified":"2025-08-20T09:49:50","modified_gmt":"2025-08-20T07:49:50","slug":"parteipolitischer-einfluss-auf-politische-bildung-nur-ein-ostdeutsches-phaenomen-ein-bildungsgeschichtlicher-rueckblick","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/index.php\/beitrag\/5319\/","title":{"rendered":"Parteipolitischer Einfluss auf politische Bildung \u2013 nur ein ostdeutsches Ph\u00e4nomen? Ein bildungsgeschichtlicher R\u00fcckblick"},"content":{"rendered":"\n<p>Eine Erkenntnis sorgte f\u00fcr Aufsehen nach der Bundestagswahl zu Beginn des Jahres 2025 und dem Superwahljahr 2024 mit der Europawahl sowie den Landtagswahlen in Sachsen, Th\u00fcringen und Brandenburg: Ein hoher Anteil vor allem ostdeutscher Jungw\u00e4hler gab seine Stimme der Partei Alternative f\u00fcr Deutschland (AfD). Also einer Partei, deren Landesverb\u00e4nde in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Th\u00fcringen zum Zeitpunkt der Wahlen bereits vom Verfassungsschutz und von Rechtsexpert:innen als gesichert rechtsextrem und als Gefahr f\u00fcr die freiheitlich-demokratische Grundordnung eingestuft wurden <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-8C2ZM9VD--wp5319 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:8C2ZM9VD}', 'format': '(%a%, %d%, %p%)', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>. Allein bei der th\u00fcringischen Landtagswahl stimmten 38 Prozent der 18- bis 24-j\u00e4hrigen W\u00e4hler:innen f\u00fcr die AfD (vgl. auch Abb. 1).<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"679\" src=\"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Sendzik_ua-Abb_1-Stimmenanteile_der_AfD_96dpi-1024x679.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5335\" srcset=\"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Sendzik_ua-Abb_1-Stimmenanteile_der_AfD_96dpi-1024x679.jpg 1024w, https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Sendzik_ua-Abb_1-Stimmenanteile_der_AfD_96dpi-300x199.jpg 300w, https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Sendzik_ua-Abb_1-Stimmenanteile_der_AfD_96dpi-287x190.jpg 287w, https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Sendzik_ua-Abb_1-Stimmenanteile_der_AfD_96dpi-768x509.jpg 768w, https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Sendzik_ua-Abb_1-Stimmenanteile_der_AfD_96dpi-1536x1018.jpg 1536w, https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Sendzik_ua-Abb_1-Stimmenanteile_der_AfD_96dpi-2048x1357.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Abb. 1: Stimmenanteile der AfD bei den Landtagswahlen in Th\u00fcringen, Sachsen und Brandenburg im September 2024; Quelle: statista 2025; Infratest dimap; Th\u00fcringen: 19.527 Befragte (ab 18 Jahre); Sachsen: 20.389 Befragte (ab 18 Jahre); Brandenburg 21.059 Befragte (ab 16 Jahre); eigene Darstellung.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Auf der Suche nach Gr\u00fcnden und L\u00f6sungsans\u00e4tzen r\u00fcckte auch die Forderung von Wissenschaftler:innen nach mehr und anderer Demokratie-Bildung in den Vordergrund (<span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-XIQHR9I7--wp5319 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:XIQHR9I7}', 'format': 'SWK, %d%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>; <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-VU6BDFFY--wp5319 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:VU6BDFFY}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>). So schaffe es etwa die politische Bildung an Schulen nicht in ausreichendem Ma\u00dfe, demokratische Werte und Handlungen zu f\u00f6rdern. Hier sei die Politik und insbesondere die f\u00fcr die Schulbildung verantwortliche Landespolitik gefordert, neue und bessere Rahmenbedingungen zu schaffen. Zuvor r\u00e4umten bereits hochrangige CDU-Politiker ein, dass die politische Bildung vernachl\u00e4ssigt wurde. So \u00e4u\u00dferte sich am Ende seiner Amtszeit Stanislaw Tillich, der von 2008 bis 2017 s\u00e4chsischer Ministerpr\u00e4sident f\u00fcr die CDU war, selbstkritisch hinsichtlich der populistischen Entwicklungen in seinem Bundesland: \u201eHeute denke ich: Wir haben uns in Sachsen zu wenig um die politische Bildung gek\u00fcmmert\u201c <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-EXKT25KR--wp5319 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:EXKT25KR}', 'format': '(%a%, %d%, %p%)', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>. Damit stellte er indirekt die oft zitierte Aussage des langj\u00e4hrigen s\u00e4chsischen CDU-Ministerpr\u00e4sidenten Kurt Biedenkopf infrage, der nach den Erfolgen der NPD bei den Kommunalwahlen im Jahr 2000 erkl\u00e4rte: \u201eDie Sachsen sind immun gegen Rechtsextremismus\u201c <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-GFL7JAWF--wp5319 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:GFL7JAWF}', 'format': '(%a%, %d%, %p%)', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>. Auch Marco Wanderwitz r\u00e4umte w\u00e4hrend seiner Zeit als christdemokratischer Ostbeauftragter nach Wahlerfolgen der AfD in Ostdeutschland im Jahr 2021 und mit Blick auf die lange Regierungsverantwortung der CDU in verschiedenen ostdeutschen Bundesl\u00e4ndern ein: \u201eEs wurde zu wenig in politische Bildung investiert, ein St\u00fcck weit weggesehen, wenn es zu rechtsextremen \u00dcbergriffen gekommen ist\u201c <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-HH78AG8Z--wp5319 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:HH78AG8Z}', 'format': '(%a%, %d%, %p%)', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>. Zuvor l\u00f6ste er eine Debatte aus, indem er \u00fcber ostdeutsche AfD-W\u00e4hler:innen sagte: \u201eWir haben es mit Menschen zu tun, die teilweise in einer Form diktatursozialisiert sind, dass sie auch nach drei\u00dfig Jahren nicht in der Demokratie angekommen sind\u201c <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-UFRSFYB9--wp5319 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:UFRSFYB9}', 'format': '(Steppat, 2021)', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>. Diese Einsch\u00e4tzung wurde teilweise stark kritisiert, etwa von dem Soziologen Steffen Mau, der eher eine \u201ever\u00e4nderungsersch\u00f6pfte Gesellschaft\u201c wahrnahm, in der die Menschen \u201ezum Teil der Demokratie abhandengekommen [sind]\u201c <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-F77QMTTC--wp5319 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:F77QMTTC}', 'format': '(%a%, %d%, %p%)', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber ist das tats\u00e4chlich so? Hat die CDU zu wenig f\u00fcr die politische Bildung getan oder trifft das auch auf andere Regierungsparteien zu? Und beschr\u00e4nkt sich ein parteipolitischer Einfluss auf die politische Bildung nur auf die ostdeutschen Bundesl\u00e4nder oder gab es in der Geschichte der Bundesrepublik auch in westdeutschen Regionen \u00e4hnliche Entwicklungen?<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Das Untersuchungsdesign<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Um diesen Fragen nachzugehen, haben wir drei Datenquellen genutzt (vgl. ausf\u00fchrlich zum Vorgehen und zu den Ergebnissen <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-SWYBI37S--wp5319 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:SWYBI37S}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>). Erstens haben wir bildungshistorische Studien, bildungspolitische Prim\u00e4rquellen sowie historische Zeitungsartikel herangezogen, um die Entwicklung und die politischen Debatten zur Bedeutung des Unterrichtsfaches politische Bildung im schulischen Kontext nachzuvollziehen (z.B. <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-HKWBMBRA-_-2445049-WCZQR7Y8-_-2445049-6MTRTJS3-_-2445049-RCR6P4K6--wp5319 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:HKWBMBRA},{2445049:WCZQR7Y8},{2445049:6MTRTJS3},{2445049:RCR6P4K6}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>). Zweitens erfassten und analysierten wir die Relevanz politischer Bildung in den Bundesl\u00e4ndern seit 1949 anhand der Stundentafeln. Diese geben die bildungspolitischen Vorgaben zur Verteilung der Unterrichtszeit auf F\u00e4cher und Lernbereiche wieder (siehe auch <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-7V6DHBK8--wp5319 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:7V6DHBK8}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>; zu Schulb\u00fcchern der politischen Bildung siehe <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-9DK827S8--wp5319 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:9DK827S8}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>). Im Fokus standen dabei die verbindlich vorgesehenen Wochenstunden f\u00fcr das Fach der politischen Bildung in der Sekundarstufe I \u00fcber alle Schulformen hinweg (Klassenstufe f\u00fcnf bis einschlie\u00dflich Klassenstufe 10; die Bezeichnungen f\u00fcr das Fach variieren zwischen den Bundesl\u00e4ndern und \u00fcber die Zeit). Die Datengrundlage umfasst s\u00e4mtliche Bundesl\u00e4nder der Bundesrepublik Deutschland im Zeitraum von 1949 bis 2019; die ostdeutschen Bundesl\u00e4nder wurden ab dem Zeitpunkt der Wiedervereinigung einbezogen. Drittens nutzten wir den Datensatz von Irmert et al. <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-Y6QB29RY--wp5319 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:Y6QB29RY}', 'format': '(%d%)', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>, der die Parteizugeh\u00f6rigkeit der jeweiligen Ministerpr\u00e4sident:innen und Kultusminister:innen aller Bundesl\u00e4nder zwischen 1950 und 2020 dokumentiert. Dabei haben wir die parteipolitischen Konstellationen entsprechend einem politikwissenschaftlichen Klassifikationsschema den Kategorien \u201arechts\u2018, \u201aMitte\u2018 und \u201alinks\u2018 zugeordnet (vgl. hierzu vertiefend Abb. 2 und <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-H9C4AZTZ-_-2445049-6JP3BXDJ--wp5319 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:H9C4AZTZ},{2445049:6JP3BXDJ}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>).<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1862\" src=\"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Sendzik_ua-Abb_2-Kategorisierung_der_Parteilkonstellation-1-scaled.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-5395\" srcset=\"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Sendzik_ua-Abb_2-Kategorisierung_der_Parteilkonstellation-1-scaled.png 2560w, https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Sendzik_ua-Abb_2-Kategorisierung_der_Parteilkonstellation-1-300x218.png 300w, https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Sendzik_ua-Abb_2-Kategorisierung_der_Parteilkonstellation-1-1024x745.png 1024w, https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Sendzik_ua-Abb_2-Kategorisierung_der_Parteilkonstellation-1-261x190.png 261w, https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Sendzik_ua-Abb_2-Kategorisierung_der_Parteilkonstellation-1-768x559.png 768w, https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Sendzik_ua-Abb_2-Kategorisierung_der_Parteilkonstellation-1-1536x1117.png 1536w, https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Sendzik_ua-Abb_2-Kategorisierung_der_Parteilkonstellation-1-2048x1489.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Abb. 2: Kategorisierung der Parteikonstellation Ministerpr\u00e4sident:in und Kultusminister:in, Datenbasis: <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-Y6QB29RY--wp5319 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:Y6QB29RY}', 'format': '%a% (%d%)', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span><\/em><em>, Berechnung und Darstellung: <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-SWYBI37S--wp5319 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': '56', 'items': '{2445049:SWYBI37S}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span><\/em>.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Entwicklungen des Politikunterrichts in der Bundesrepublik<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst ein paar ausgew\u00e4hlte Beschreibungen der \u00fcbergreifenden Entwicklung des Faches der politischen Bildung, die an dieser Stelle noch die uns interessierenden Fragen nach den parteispezifischen Einfl\u00fcssen aussparen: Unsere Analysen zeigen insgesamt, dass das Fach seit Gr\u00fcndung der Bundesrepublik Deutschland im Jahre 1949 eine wechselhafte Geschichte aufweist (vgl. auch Tab. 1).<\/p>\n\n\n\n<p><em>Tab. 1: Durchschnitt der Summenwerte der Wochenstunden in politischer Bildung an allen Schulformen von Klasse 5 bis 10 je Zehnschuljahresintervall in den 16 Bundesl\u00e4ndern. Quelle: <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-SWYBI37S--wp5319 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': '45', 'items': '{2445049:SWYBI37S}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span><\/em><em>.<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"844\" src=\"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Sendzik_ua-Tabelle-1024x844.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-5377\" srcset=\"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Sendzik_ua-Tabelle-1024x844.png 1024w, https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Sendzik_ua-Tabelle-300x247.png 300w, https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Sendzik_ua-Tabelle-230x190.png 230w, https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Sendzik_ua-Tabelle-768x633.png 768w, https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Sendzik_ua-Tabelle-1536x1267.png 1536w, https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Sendzik_ua-Tabelle-2048x1689.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>So war direkt nach Kriegsende nicht unbedingt mit einer erfolgreichen Verankerung des Fachs im schulischen F\u00e4cherkanon zu rechnen. Trotz anf\u00e4nglich intensiver Bem\u00fchungen insbesondere der US-Amerikaner, politische Bildung als eigenes Unterrichtsfach in den westdeutschen Besatzungszonen mit dem Ziel einer Demokratisierung der vom Nationalsozialismus gepr\u00e4gten deutschen Bev\u00f6lkerung zu etablieren, scheiterte zun\u00e4chst eine breite Einf\u00fchrung. Bestimmend war in dieser Zeit stattdessen der Ansatz des Unterrichtsprinzips, nach welchem politische Bildung als Querschnittthema in anderen Schulf\u00e4chern mitvermittelt werden sollte. Umso \u00fcberraschender ist es dann, dass bis Ende der 1960er Jahre politische Bildung in den meisten (westdeutschen) Bundesl\u00e4ndern in der Sekundarstufe I im Rahmen eines eigenen Faches oder zumindest als Teil eines sogenannten Integrationsfach eingef\u00fchrt wurde. Entscheidend f\u00fcr diese Entwicklung war eine Welle von etwa 700 Hakenkreuzschmierereien, darunter auf der K\u00f6lner Synagoge, zum Jahreswechsel 1959\/60 <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-5X876HEE-_-2445049-VPM9I8ZL--wp5319 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:5X876HEE},{2445049:VPM9I8ZL}', 'format': '(%a%, %d%, %p%)', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>. Als Reaktion darauf und aus Angst vor einem Wiedererstarken nationalsozialistischer Kr\u00e4fte beschlossen die Bundesl\u00e4nder eine St\u00e4rkung der politischen Bildung in der Schule, unter anderem in Form eines eigenen Unterrichtsfaches.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Folgezeit etablierte sich das Fach der politischen Bildung in der Sekundarstufe I. Unsere Analysen zeigen, dass sich die verpflichtend vorgesehene Unterrichtszeit f\u00fcr das Fach von den 1950er bis in die 1990er Jahre von durchschnittlich 2,05 auf 4,17 Wochenstunden in der Sekundarstufe I verdoppelte (rechnerisch von 0,33 auf 0,66 Wochenstunden pro Klassenstufe; allerdings variiert \u00fcber die Zeit und die Bundesl\u00e4nder die Klassenstufe, in der das erste Mal Unterricht im Fach der politischen Bildung stattfinden soll). Vor allem in den 1970er Jahren kam es mit Blick auf die Unterrichtszeit zu einem Ausbau des Unterrichtsfaches. Mit Blick auf die Quellenlage scheint dieser Anstieg auch mit linken Protest- und Reformbewegungen in Verbindung zu stehen. Sp\u00e4testens in dieser Phase erhielt die politische Bildung die Zuschreibung einer Feuerwehrfunktion <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-WCZQR7Y8--wp5319 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:WCZQR7Y8}', 'format': '(%a%, %d%, %p%)', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>. Auf gesellschaftliche Krisen w\u00fcrden demnach Politik und weitere Entscheidungs- und Interessenvertreter:innen mit mehr und anderer politischer Bildung reagieren <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-RPFJAF58--wp5319 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:RPFJAF58}', 'format': '(siehe dazu auch %a%, %d%, %p%)', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>.<\/p>\n\n\n\n<p>Ob und inwieweit die politische Bildung in den ostdeutschen Bundesl\u00e4ndern nach dem Mauerfall ebenfalls eine demokratiest\u00fctzende Funktion mit Blick auf spezifisch ostdeutsche Herausforderungen einnehmen sollte und konnte, ist bislang nur in Ans\u00e4tzen erforscht (z.B. <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-IJZPLSMF-_-2445049-SYZRHIWG-_-2445049-G2RL2WQ5-_-2445049-LLWAZYLM--wp5319 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:IJZPLSMF},{2445049:SYZRHIWG},{2445049:G2RL2WQ5},{2445049:LLWAZYLM}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>). So vertritt Giesecke <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-LLWAZYLM--wp5319 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:LLWAZYLM}', 'format': '(%d%)', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span> die These, dass in der politischen Bildung ein radikaler Institutionentransfer von West- nach Ostdeutschland stattfand, ohne dass eigene ostdeutsche Entwicklungspfade ber\u00fccksichtigt wurden (zu der kurzen Phase eigener ostdeutscher Reformpl\u00e4ne f\u00fcr das Fach Gesellschaftskunde direkt nach der Wende siehe <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-G2RL2WQ5--wp5319 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:G2RL2WQ5}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>; zur These eines radikalen Institutionenstransfers und einer nachholenden Modernisierung siehe auch <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-CC4JXWCI-_-2445049-KY2MC4XN-_-2445049-X6V2NU2L--wp5319 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:CC4JXWCI},{2445049:KY2MC4XN},{2445049:X6V2NU2L}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>). Unsere Analysen der Unterrichtszeit st\u00fctzen zun\u00e4chst diese Betrachtung. So zeigt sich in den ostdeutschen Bundesl\u00e4ndern seit den 1990er Jahren eine hohe Stabilit\u00e4t in der Wochenstundenanzahl f\u00fcr den Politikunterricht, was Folge einer wenig konflikthaft ausgepr\u00e4gten Diskurs- und Reformlandschaft sein kann. Diese Deutung eines fremdbestimmten Prozesses und der inh\u00e4rente \u201eVorwurf einer Kolonialisierung des Ostens\u201c <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-3M2TRT53--wp5319 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': '10', 'items': '{2445049:3M2TRT53}', 'format': '(%a%, %d%, %p%)', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span> vernachl\u00e4ssigt jedoch mindestens zwei Entwicklungen: Erstens verkennt sie die enormen Herausforderungen, vor denen ostdeutsche Akteur:innen beim institutionellen Aufbau der politischen Bildung standen. So weist Biskupek <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-G2RL2WQ5--wp5319 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:G2RL2WQ5}', 'format': '(%d%)', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span> am Beispiel Th\u00fcringens darauf hin, dass die dortige Lehrplankommission f\u00fcr das Fach Sozialkunde unter dem hohen Transformationsdruck sowie angesichts mangelnder Erfahrung, fehlender Unterst\u00fctzungsstrukturen und Alternativkonzepte pragmatisch und freiwillig auf westdeutsche Vorbilder zur\u00fcckgriff. Zweitens k\u00f6nnen durch diese Sichtweise selbstbestimmte Anpassungsprozesse in den ostdeutschen Bundesl\u00e4ndern unterbeleuchtet bleiben, die sich in Abgrenzung zu oder entlang institutioneller Praktiken aus DDR-Zeiten vollzogen haben (siehe dazu allgemein <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-YMUHRUXB--wp5319 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:YMUHRUXB}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>; mit Blick auf die Schulstruktur <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-AL85FJ5K--wp5319 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:AL85FJ5K}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>). So stellen etwa Erhardt und Schlu\u00df <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-IJZPLSMF--wp5319 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:IJZPLSMF}', 'format': '(%d%)', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span> fest, dass in den s\u00e4chsischen Lehrpl\u00e4nen des Faches Gemeinschaftskunde in den 1990er Jahren eine starke affirmative Betonung des kapitalistischen Gesellschaftsmodells zu erkennen ist, w\u00e4hrend kritisch-reflexive Inhalte weitgehend ausgeblendet wurden \u2013 offenbar als bewusste Abgrenzung zur marxistisch-leninistischen Staatsb\u00fcrgerkunde der DDR.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Parteikonstellationen und Politikunterricht \u2013 historische Verh\u00e4ltnisbestimmungen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Nun aber zum Kern unserer Betrachtung hinsichtlich des Einflusses von Parteikonstellationen auf das Unterrichtsfach der politischen Bildung: So zeigen unsere Analysen neben den beschriebenen \u00fcbergreifenden Wegmarken, dass die Entwicklung der Wochenstundenzahl f\u00fcr politische Bildung in der Sekundarstufe I seit der Gr\u00fcndung der Bundesrepublik gro\u00dfe Unterschiede zwischen den Bundesl\u00e4ndern aufweist \u2013 sowohl in zeitlicher als auch in politischer Hinsicht (vgl. auch Tab. 1 und Abb. 2).<\/p>\n\n\n\n<p>So legt zun\u00e4chst eine einfache Gegen\u00fcberstellung von den f\u00fcr politische Bildung vorgesehenen Wochenstunden sowie von SPD- oder CDU-gef\u00fchrten Landesregierungen nahe, dass schulrechtliche Regelungen durch parteipolitische Unterschiede gepr\u00e4gt sind. W\u00e4hrend in den 1950er Jahren politische Bildung etwa in Hessen (SPD-regiert; durchschnittlich 7,28 Wochenstunden) und Niedersachsen (abgesehen vom Intermezzo der rechtsgerichteten Deutschen Partei von 1955 bis 1959 SPD-regiert; durchschnittlich 3,88 Wochenstunden) fest etabliert war, spielte sie in Bayern (CSU-regiert; keine festen Wochenstunden), Schleswig-Holstein (ab 1951 von der CDU regiert; durchschnittlich 0,26 Wochenstunden), Nordrhein-Westfalen (mehrheitlich CDU-regiert; durchschnittlich 0,02 Wochenstunden) und dem Saarland (CDU-regiert; keine festen Wochenstunden) kaum eine Rolle. Nur im CDU-regierten Rheinland-Pfalz war Politikunterricht in den 1950er Jahren bereits fester Bestandteil der Stundentafel (durchschnittlich 2,92 Wochenstunden).<\/p>\n\n\n\n<p>Weitere Hinweise darauf, dass in CDU\/CSU-regierten Bundesl\u00e4ndern politische Bildung eine geringere Rolle als in SPD-regierten Bundesl\u00e4ndern spielt(e), bietet die Betrachtung der folgenden Jahrzehnte. Auff\u00e4llig sind Ver\u00e4nderungen bei der Unterrichtszeit f\u00fcr politische Bildung im Zusammenhang von Regierungswechseln. So f\u00e4llt etwa in Nordrhein-Westfalen der starke Anstieg von durchschnittlich 0,21 Wochenstunden in den 1960er Jahren auf durchschnittlich rund 6 Wochenstunden ab den 1970er Jahren mit dem Wechsel von der bis dahin langj\u00e4hrigen CDU-gef\u00fchrten Landesregierung zu einer SPD-gef\u00fchrten Landesregierung im Jahre 1967 zusammen. Ein \u00e4hnliches Bild zeigt sich im Saarland, wo es unter den CDU-Regierungen bis in den fr\u00fchen 1980er Jahren nur wenig politische Bildung gab und es dann unter den neuen SPD-gef\u00fchrten Landesregierungen bis Mitte der 1990er Jahre zu einem deutlichen Anstieg kam. Auch in Rheinland-Pfalz kann der schrittweise Anstieg der Unterrichtszeit f\u00fcr politische Bildung von durchschnittlich 2,67 Wochenstunden in den 1980er Jahren hin zu durchschnittlich 3,86 Wochenstunden in den 2000er Jahren mit den SPD-gef\u00fchrten Landesregierungen ab den 1990er Jahre in Verbindung gebracht werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Umkehrschluss scheint in Hessen ein schrittweiser Stundenr\u00fcckgang in politischer Bildung von durchschnittlich 6,68 Wochenstunden in den 1990er Jahren hin zu 2,85 Wochenstunden in den 2010er Jahren mit dem Regierungswechsel im Jahr 1999 von bis dahin langj\u00e4hrig SPD-gef\u00fchrten Landesregierungen hin zu CDU-gef\u00fchrten Landesregierungen zusammen zu h\u00e4ngen. Auch in den ostdeutschen Bundesl\u00e4ndern finden sich Hinweise auf parteipolitische Unterschiede mit Blick auf die Unterrichtszeit f\u00fcr politische Bildung: So verzeichnet Brandenburg, das nach der Wiedervereinigung als einziges ostdeutsches Bundesland durchg\u00e4ngig von der SPD regiert wurde, die mit Abstand h\u00f6chste Zahl an Wochenstunden im Fach politische Bildung (durchschnittlich rund 6 Wochenstunden). Im ausschlie\u00dflich CDU-gef\u00fchrten Bundesland Sachsen waren dagegen durchschnittlich nur rund 2 Wochenstunden vorgesehen, was die eingangs zitierte Kritik des ehemaligen s\u00e4chsischen Ministerpr\u00e4sidenten Tillich unterstreicht, wonach in Sachsen nur wenig f\u00fcr politische Bildung getan wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Nur die Entwicklungen in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Baden-W\u00fcrttemberg f\u00fcgen sich nicht so recht in das bislang beschriebene Zusammenhangsmuster ein. So stieg etwa in Baden-W\u00fcrttemberg die Unterrichtszeit in politischer Bildung ab den 1980er Jahren von durchschnittlich 2,29 Wochenstunden (1970er Jahre) auf durchschnittlich 5,35 Wochenstunden (2000er Jahre) an \u2013 und dass, obwohl das Land in dieser Zeit durchgehend von der CDU regiert wurde. Ob dieser Anstieg m\u00f6glicherweise im Zusammenhang mit dem Einzug der NPD Ende der 1960er Jahre oder den Wahlerfolgen der Republikaner in den 1990er Jahren steht, kann an dieser Stelle nur vermutet werden. In Niedersachen lassen sich f\u00fcr die Zeit vor den 1990er Jahren keine klaren Zusammenhangsmuster zwischen unterschiedlichen Regierungsparteien und der zunehmenden Unterrichtszeit f\u00fcr politische Bildung erkennen. Und in Schleswig-Holstein blieb ein Stundenanstieg in politischer Bildung nach dem Wechsel von einer CDU- zu einer SPD-Regierung Ende der 1980er Jahre aus.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Zuf\u00e4llige Muster oder direkte Zusammenh\u00e4nge?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>An dieser Stelle stellt sich die naheliegende Frage, ob die beobachteten deskriptiven Muster tats\u00e4chlich mit der parteipolitischen Zusammensetzung der Landesregierungen zusammenh\u00e4ngen \u2013 oder ob es sich lediglich um ein zuf\u00e4lliges Aufeinandertreffen voneinander unabh\u00e4ngiger Ereignisse handelt. Mit anderen Worten: L\u00e4sst sich ein konkreter Einfluss parteipolitischer Regierungskonstellationen auf die Anzahl der Wochenstunden f\u00fcr politische Bildung nachweisen? F\u00fcr einen direkten Zusammenhang und gegen einen Zufall sprechen die von uns durchgef\u00fchrten weitergehenden statistischen und zeithistorischen Analysen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum einen haben wir zur statistischen \u00dcberpr\u00fcfung mit Hilfe von OLS-Regressionsmodellen den Zusammenhang zwischen Regierungsparteien und der Anzahl der Wochenstunden in politischer Bildung gesch\u00e4tzt. Zus\u00e4tzlich haben wir sogenannte Fixed-Effects-Regressionsmodelle genutzt. Sie erlauben weitergehende Hinweise zur Richtung des Zusammenhangs. Um Ver\u00e4nderungen im Zeitumfang f\u00fcr politische Bildung den \u201erichtigen\u201c Reformparteien zurechnen zu k\u00f6nnen, haben wir zudem sogenannte lag-Variablen in die Sch\u00e4tzungen einbezogen. Dadurch wird ber\u00fccksichtigt, dass politische Reformen oft zeitverz\u00f6gert wirken k\u00f6nnen. Es zeigt sich: In L\u00e4ndern mit Mitte- oder linksgerichteten Regierungskonstellationen ist der Wochenstundenumfang in der Sekundarstufe I im Durchschnitt um 0,6 bis 0,8 Wochenstunden h\u00f6her als in konservativ regierten L\u00e4ndern. Besonders deutlich zeigt sich der Zusammenhang f\u00fcr nichtgymnasiale Schulformen, die vor allem sozial benachteiligte Gruppen erreichen. Die Sch\u00e4tzungen lassen erkennen, dass sich der Stundenumfang in politischer Bildung meist zwei bis vier Jahre nach einem Regierungswechsel ver\u00e4ndert. Auff\u00e4llig ist, dass der parteipolitische Einfluss bis in die sp\u00e4ten 1990er Jahre deutlich sichtbar ist, danach aber schw\u00e4cher wird \u2013 vermutlich infolge des bildungspolitischen Umbruchs nach dem PISA-Schock. Insgesamt machen die statistischen Analysen deutlich: War die SPD w\u00e4hrend des betrachteten Zeitraums an einer Regierungskoalition beteiligt, zeigte sich einerseits ein insgesamt h\u00f6herer Stundenumfang im Fach politische Bildung, andererseits lie\u00df sich nach einem Regierungswechsel unter SPD-Beteiligung h\u00e4ufig ein Anstieg der Stunden beobachten. Im Gegensatz dazu waren CDU\/CSU-gef\u00fchrte Regierungen ohne SPD-Beteiligung im Durchschnitt mit einem geringeren Stundenumfang verbunden; nach einem Regierungswechsel hin zu einer solchen Regierungskonstellation kam es tendenziell zu einer Reduktion der Stunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben diesen statistischen Analysen haben wir zum anderen auch auf Basis von zeithistorischen Quellen und Aufarbeitungen <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-HKWBMBRA-_-2445049-WCZQR7Y8-_-2445049-6MTRTJS3-_-2445049-RCR6P4K6--wp5319 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:HKWBMBRA},{2445049:WCZQR7Y8},{2445049:6MTRTJS3},{2445049:RCR6P4K6}', 'format': '(%a%, %d%, %p%)', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span> in den Blick genommen, ob es einen parteipolitischen Einfluss auf politische Bildung gab und welche Gr\u00fcnde daf\u00fcr eine Rolle gespielt haben. Die Dokumente legen nahe, dass vor allem die Ereignisse in den sp\u00e4ten 1960er und 1970er Jahren zu parteipolitischen Unterschieden beitrugen. So erlebte die politische Bildung eine zunehmende Politisierung, als mit der sozialliberalen Koalition ab 1969 die CDU\/CSU erstmals in die Opposition ging. So kam es nach der Wahlniederlage der CDU\/CSU auf Bundesebene zu einer Polarisierung zwischen SPD-FDP-gef\u00fchrten A-L\u00e4ndern und CDU\/CSU-gef\u00fchrten B-L\u00e4ndern, in der politische Bildung zum Spielball zwischen progressiven und konservativen Lagern und zum Austragungsort ideologischer Konflikte wurde. So trieben auf der einen Seite nach Wagner <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-Z9DE89GN--wp5319 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:Z9DE89GN}', 'format': '(%d%)', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span> sozialliberale Landesregierungen, wie etwa Nordrhein-Westfalen im Jahr 1973, die Einf\u00fchrung und den Ausbau des Politikunterrichts mit den Zielen voran, sowohl Demokratisierungsprozesse unter den Vorzeichen von Kritik, Selbstbestimmung und Emanzipation zu f\u00f6rdern als auch die Sch\u00fcler- und Studentenprotestbewegungen jener Zeit in institutionalisierte Bahnen der parlamentarischen Demokratie zu lenken. Auf der anderen Seite betrachtete nach Gagel <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-WCZQR7Y8--wp5319 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:WCZQR7Y8}', 'format': '(%d%)', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span> die CDU die inhaltliche Ausrichtung der politischen Bildung in den 1970er Jahren zunehmend als Mittel zur R\u00fcckgewinnung politischer Macht. Ziel war es, die sozialliberalen Regierungen als Unterst\u00fctzerin linker Bewegungen und der RAF zu delegitimieren. Der politische Richtungsstreit entz\u00fcndete sich dabei an der Frage, ob politische Bildung eher auf Systemver\u00e4nderung oder auf Stabilisierung zielen solle \u2013 bzw. ob sie Emanzipation oder Rationalit\u00e4t f\u00f6rdern m\u00fcsse <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-HKWBMBRA-_-2445049-RCR6P4K6--wp5319 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:HKWBMBRA},{2445049:RCR6P4K6}', 'format': '(%a%, %d%, %p%)', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>. In der Folge unterschieden sich nach Gagel <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-WCZQR7Y8--wp5319 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:WCZQR7Y8}', 'format': '(%d%)', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span> die Lehrpl\u00e4ne und Schulb\u00fccher zu politischer Bildung zwischen den Bundesl\u00e4ndern bis in die sp\u00e4ten 1980er Jahre deutlich in Inhalt und Ausrichtung.<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders Hessen war ab 1972 Austragungsort der parteipolitischen Richtungsk\u00e4mpfe (f\u00fcr Nordrhein-Westfalen siehe auch <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-FCNGD875--wp5319 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:FCNGD875}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>). Anlass waren die ersten beiden Auflagen des Schulbuchs \u201esehen \u2013 beurteilen \u2013 handeln\u201c sowie die Rahmenrichtlinien f\u00fcr Gesellschaftslehre, die stark auf die Kritische Theorie zur\u00fcckgriffen. Im Zentrum der darauffolgenden Auseinandersetzungen stand der damals verantwortliche hessische SPD-Kultusminister Ludwig von Friedeburg, der zuvor bei Theodor W. Adorno habilitierte und vor seinem Amtsantritt das Frankfurter Institut f\u00fcr Sozialforschung \u2013 Heimst\u00e4tte der Kritischen Theorie in Deutschland \u2013 als Direktor leitete. \u00dcber ihn sagte sp\u00e4ter der von 1999 bis 2010 amtierende CDU-Ministerpr\u00e4sident Roland Koch: \u201eLudwig von Friedeburg hat der CDU in Hessen wahrscheinlich mehr neue Mitglieder zugef\u00fchrt als jeder andere\u201c <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-BV6L9SUK--wp5319 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': '132', 'items': '{2445049:BV6L9SUK}', 'format': '(%a%, %d%, %p%)', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>. \u00dcber das Schulbuch und die Rahmenrichtlinien hie\u00df es etwa von Seiten der CDU und der konservativen Presselandschaft: \u201eDas rote Schulbuch\u201c (<span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-SEL2W7HK--wp5319 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:SEL2W7HK}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>; siehe auch Abb. 3); \u201eein Lehrbuch des Klassenkampfes\u201c und \u201eder marxistischen Indoktrination\u201c (hessischer CDU-Politiker Walter-Wallmann, zitiert nach <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-5BGXWLPX--wp5319 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:5BGXWLPX}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>; <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-KD54ZHZF--wp5319 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:KD54ZHZF}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>); &#8222;Wer hat recht, Marx oder der Papst?\u201c <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-UEXPBWNX--wp5319 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:UEXPBWNX}', 'format': '(%a%, %d%, %p%)', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>; \u201eSind Unternehmer Ausbeuter?\u201c <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-I6HIVT6B--wp5319 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:I6HIVT6B}', 'format': '(%a%, %d%, %p%)', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"878\" src=\"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Sendzik_ua-Abb_3-Das_rote_Schulbuch_small-1024x878.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5390\" srcset=\"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Sendzik_ua-Abb_3-Das_rote_Schulbuch_small-1024x878.jpg 1024w, https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Sendzik_ua-Abb_3-Das_rote_Schulbuch_small-300x257.jpg 300w, https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Sendzik_ua-Abb_3-Das_rote_Schulbuch_small-222x190.jpg 222w, https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Sendzik_ua-Abb_3-Das_rote_Schulbuch_small-768x659.jpg 768w, https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Sendzik_ua-Abb_3-Das_rote_Schulbuch_small.jpg 1312w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Abb. 3: Das rote Schulbuch, <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-SEL2W7HK--wp5319 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:SEL2W7HK}', 'format': '%a%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span><\/em><em> vom 25. August 1972.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Der Streit m\u00fcndete in den Beutelsbacher Konsens von 1976, der im fachdidaktischen Diskurs als Reaktion auf diese Konflikte entstand und auch schrittweise die politische Kontroverse um politische Bildung befriedete <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-VHPJYZKX-_-2445049-M65AHLD5--wp5319 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:VHPJYZKX},{2445049:M65AHLD5}', 'format': '(%a%, %d%, %p%)', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>. Er bildet bis heute den Rahmen f\u00fcr die politische Bildung. Er betont das \u00dcberw\u00e4ltigungsverbot, die Beachtung kontroverser Positionen in Wissenschaft und Politik im Unterricht und die Sch\u00fclerorientierung <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-UUJ4LG2M-_-2445049-LFYUX9IN--wp5319 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:UUJ4LG2M},{2445049:LFYUX9IN}', 'format': '(%a%, %d%, %p%)', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>. In den letzten Jahren wird der Konsens jedoch im Zusammenhang mit dem zunehmenden Rechtsradikalismus und Populismus als erweiterungs- und \u00fcberarbeitungsbed\u00fcrftig kritisiert (z.B. <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-5Z2N5MNK-_-2445049-XYNCNDQV--wp5319 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:5Z2N5MNK},{2445049:XYNCNDQV}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>). Insgesamt liefert auch eine zeithistorische Analyse Hinweise auf klare parteipolitisch bedingte Unterschiede zwischen den Bundesl\u00e4ndern bis mindestens Ende der 1980er Jahre, gleichwohl sie in dieser Betrachtung eher inhaltlich-konzeptioneller Natur waren.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit<\/h2>\n\n\n\n<p>Was l\u00e4sst sich nun mit Blick auf die am Anfang des Beitrags aufgeworfenen Fragen feststellen? Hat die CDU in den ostdeutschen Bundesl\u00e4ndern zu wenig f\u00fcr die politische Bildung getan? Und: Gilt dies nur f\u00fcr Ostdeutschland? Dazu k\u00f6nnen wir in seltener Klarheit zeigen, dass das Fach der politischen Bildung unter CDU-gef\u00fchrten Landesregierungen ohne SPD-Beteiligung vor allem bis Ende der 1990er Jahre tats\u00e4chlich einen schlechteren Stand hatte, zumindest was den Stundenumfang betrifft. Zugespitzt formuliert entschied die politische Farbe der Landesregierung mit dar\u00fcber, in welchem Ausma\u00df in einem Bundesland Kinder und Jugendliche durch die Schule bei ihrer politischen Sozialisation unterst\u00fctzt werden sollten. Dies war jedoch nicht ein genuin \u201eostdeutsches Problem\u201c, sondern galt auch und vor allem f\u00fcr westdeutsche Bundesl\u00e4nder. So scheint es im Zuge der Wiedervereinigung nicht nur zu einem Import des westdeutschen Modells, sondern auch der unterschiedlichen Pr\u00e4ferenzen der Parteien f\u00fcr das Schulfach der politischen Bildung von West- nach Ostdeutschland gekommen zu sein. Hierbei ist zu ber\u00fccksichtigen, dass in den ostdeutschen L\u00e4ndern direkt nach der Wiedervereinigung ernstzunehmende alternative Entw\u00fcrfe sowie unterst\u00fctzende demokratische und zivilgesellschaftliche Strukturen f\u00fcr die Umsetzung eines \u201eeigenen\u201c Politikunterrichts mit liberal-demokratischer Ausrichtung weitgehend fehlten (f\u00fcr eine \u00fcbergreifende gesellschaftsbezogene Analyse siehe auch <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-BVGAU93Z--wp5319 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:BVGAU93Z}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>). Diese Entwicklungen k\u00f6nnen dazu beigetragen haben, dass die DDR-Zeit und die gravierenden Folgen des Systemwechsels nach dem Ende der DDR nicht hinreichend aufgearbeitet werden konnten und sich in Ostdeutschland teilweise eine st\u00e4rkere Hinwendung zur antidemokratischen AfD zeigt. Wie belastbar diese These letztlich ist, ist unseres Wissens bisher noch weitgehend unbearbeitet und sollte Gegenstand weiterer Forschung sein \u2013 hier w\u00e4re auch der Einfluss des Geschichtsunterrichts sowie weiterer Formen der schulischen Demokratieerziehung zu untersuchen. Entscheidend ist dabei die Frage, ob mehr Lernzeit oder andere Konzepte der politischen Bildung in den ostdeutschen Schulen die Erfolge der AfD h\u00e4tten verhindern oder zumindest schm\u00e4lern k\u00f6nnen. Dies ist aber nicht so ohne Weiteres zu untersuchen und erfordert komplexe Forschungsdesigns. Allerdings lassen sowohl die Wahlerfolge der AfD in Brandenburg \u2013 einem \u00fcberwiegend SPD-regierten Bundesland mit einer vergleichsweise hohen Stundenzahl f\u00fcr politische Bildung \u2013 als auch die internationale Studienlage mit ihren gemischten Befunden zu den Wirkungen der politischen Bildung gewisse Zweifel daran zu, ob politische Bildung tats\u00e4chlich eine Feuerwehrfunktion f\u00fcr gesellschaftliche Schieflagen einnehmen kann <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-CQR37WUC--wp5319 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:CQR37WUC}', 'format': '(%a%, %d%, %p%)', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Literatur<\/h2>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.zotero.org\/groups\/2445049\/bildungsgeschichte.de_-_bibliographien\/collections\/CJLQSCXP\">Zur Zotero-Library<\/a><\/p>\n\n\n\n\n<div id='zp-InTextBib-zotpress-2091cabaf6992333000c67b977b696fc' class='zp-Zotpress zp-Zotpress-InTextBib wp-block-group zp-Post-5319'>\r\n\t\t<span class=\"ZP_ITEM_KEY ZP_ATTR\">{2445049:8C2ZM9VD};{2445049:XIQHR9I7};{2445049:VU6BDFFY};{2445049:EXKT25KR};{2445049:GFL7JAWF};{2445049:HH78AG8Z};{2445049:UFRSFYB9};{2445049:F77QMTTC};{2445049:SWYBI37S};{2445049:HKWBMBRA},{2445049:WCZQR7Y8},{2445049:6MTRTJS3},{2445049:RCR6P4K6};{2445049:7V6DHBK8};{2445049:9DK827S8};{2445049:Y6QB29RY};{2445049:H9C4AZTZ},{2445049:6JP3BXDJ};{2445049:Y6QB29RY};{2445049:SWYBI37S};{2445049:SWYBI37S};{2445049:5X876HEE},{2445049:VPM9I8ZL};{2445049:WCZQR7Y8};{2445049:RPFJAF58};{2445049:IJZPLSMF},{2445049:SYZRHIWG},{2445049:G2RL2WQ5},{2445049:LLWAZYLM};{2445049:LLWAZYLM};{2445049:G2RL2WQ5};{2445049:CC4JXWCI},{2445049:KY2MC4XN},{2445049:X6V2NU2L};{2445049:3M2TRT53};{2445049:G2RL2WQ5};{2445049:YMUHRUXB};{2445049:AL85FJ5K};{2445049:IJZPLSMF};{2445049:HKWBMBRA},{2445049:WCZQR7Y8},{2445049:6MTRTJS3},{2445049:RCR6P4K6};{2445049:Z9DE89GN};{2445049:WCZQR7Y8};{2445049:HKWBMBRA},{2445049:RCR6P4K6};{2445049:WCZQR7Y8};{2445049:FCNGD875};{2445049:BV6L9SUK};{2445049:SEL2W7HK};{2445049:5BGXWLPX};{2445049:KD54ZHZF};{2445049:UEXPBWNX};{2445049:I6HIVT6B};{2445049:SEL2W7HK};{2445049:VHPJYZKX},{2445049:M65AHLD5};{2445049:UUJ4LG2M},{2445049:LFYUX9IN};{2445049:5Z2N5MNK},{2445049:XYNCNDQV};{2445049:BVGAU93Z};{2445049:CQR37WUC}<\/span>\r\n\t\t<span class=\"ZP_STYLE ZP_ATTR\">https:\/\/www.zotero.org\/styles\/bibliothek-fur-bildungsgeschichtliche-forschung<\/span>\r\n\t\t<span class=\"ZP_SORTBY ZP_ATTR\">creator<\/span>\r\n\t\t<span class=\"ZP_ORDER ZP_ATTR\">asc<\/span>\r\n\t\t<span class=\"ZP_TITLE ZP_ATTR\"><\/span>\r\n\t\t<span class=\"ZP_SHOWIMAGE ZP_ATTR\"><\/span>\r\n\t\t<span class=\"ZP_SHOWTAGS ZP_ATTR\"><\/span>\r\n\t\t<span class=\"ZP_DOWNLOADABLE ZP_ATTR\"><\/span>\r\n\t\t<span class=\"ZP_NOTES ZP_ATTR\"><\/span>\r\n\t\t<span class=\"ZP_ABSTRACT ZP_ATTR\"><\/span>\r\n\t\t<span class=\"ZP_CITEABLE ZP_ATTR\">1<\/span>\r\n\t\t<span class=\"ZP_TARGET ZP_ATTR\"><\/span>\r\n\t\t<span class=\"ZP_URLWRAP ZP_ATTR\"><\/span>\r\n\t\t<span class=\"ZP_FORCENUM ZP_ATTR\">0<\/span>\r\n\t\t<span class=\"ZP_HIGHLIGHT ZP_ATTR\"><\/span>\r\n\t\t<span class=\"ZP_POSTID ZP_ATTR\">5319<\/span><div class='zp-List loading'>\n<div class=\"zp-SEO-Content\"><\/div><!-- .zp-zp-SEO-Content -->\n<\/div><!-- .zp-List --><\/div><!--.zp-Zotpress-->\n\n\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Erkenntnis sorgte f\u00fcr Aufsehen nach der Bundestagswahl zu Beginn des Jahres 2025 und dem Superwahljahr 2024 mit der Europawahl sowie den Landtagswahlen in Sachsen, Th\u00fcringen und Brandenburg: Ein hoher Anteil vor allem ostdeutscher Jungw\u00e4hler gab seine Stimme der Partei Alternative f\u00fcr Deutschland (AfD). Also einer Partei, deren Landesverb\u00e4nde in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Th\u00fcringen zum Zeitpunkt der Wahlen bereits vom Verfassungsschutz und von Rechtsexpert:innen als gesichert rechtsextrem und als Gefahr f\u00fcr die freiheitlich-demokratische Grundordnung eingestuft wurden . Allein bei der th\u00fcringischen Landtagswahl stimmten 38 Prozent der 18- bis 24-j\u00e4hrigen W\u00e4hler:innen f\u00fcr die AfD (vgl. auch Abb. 1). Abb. 1: Stimmenanteile der AfD bei den Landtagswahlen in Th\u00fcringen, Sachsen und Brandenburg im September 2024; Quelle: statista 2025; Infratest dimap; Th\u00fcringen: 19.527 Befragte (ab 18 Jahre); Sachsen: 20.389 Befragte (ab 18 Jahre); Brandenburg 21.059 Befragte (ab 16 Jahre); eigene Darstellung. Auf der Suche nach Gr\u00fcnden und L\u00f6sungsans\u00e4tzen r\u00fcckte auch die Forderung von Wissenschaftler:innen nach mehr und anderer Demokratie-Bildung in den Vordergrund (; ). So schaffe es etwa die politische Bildung an Schulen nicht in ausreichendem Ma\u00dfe, demokratische &hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":5406,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[51],"tags":[133,187],"class_list":["post-5319","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kolumne","tag-deutsche-einheit","tag-politische-bildung"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5319","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5319"}],"version-history":[{"count":113,"href":"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5319\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5647,"href":"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5319\/revisions\/5647"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5406"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5319"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5319"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5319"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}