{"id":3366,"date":"2021-11-28T16:04:40","date_gmt":"2021-11-28T15:04:40","guid":{"rendered":"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/?p=3366"},"modified":"2023-07-07T11:40:46","modified_gmt":"2023-07-07T09:40:46","slug":"kein-ende-in-sicht-bildung-im-atomzeitalter-in-historischer-und-aktueller-perspektive","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/index.php\/beitrag\/3366\/","title":{"rendered":"Kein Ende in Sicht. Bildung im Atomzeitalter in historischer und aktueller Perspektive"},"content":{"rendered":"\n<p>Seit 1957 waren in Deutschland mehr als hundert Reaktoren f\u00fcr Forschungszwecke und zur Energieerzeugung in Betrieb. Bis Ende 2022 werden die letzten abgeschaltet (vgl. <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-STERSI33--wp3366 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:STERSI33}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>). Das Atomzeitalter endet aber nicht mit dem Ausstieg Deutschlands aus der Nutzung seiner eigenen Kraftwerke \u2013 nicht nur wegen der grenz\u00fcberschreitenden Wirkung der Radioaktivit\u00e4t und der Problematik, verbrauchte Uranbrennst\u00e4be \u00fcber Jahrhunderte sicher zu lagern, sondern auch weil die Atomenergie in vielen Teilen der Welt zurzeit wieder an Akzeptanz gewinnt. Sie stellt einen m\u00f6glichen Ausweg aus dem Dilemma dar, dem stetig steigenden Energiebedarf von Industrie und Bev\u00f6lkerung nachzukommen und gleichzeitig die Kohlendioxidkonzentration in der Atmosph\u00e4re zu drosseln, um den Klimawandel abzuschw\u00e4chen. Dass dieses Dilemma zu Energieengp\u00e4ssen f\u00fchren kann, zeigte sich k\u00fcrzlich in China, wo im September 2021 in einigen Regionen die Stromversorgung vor\u00fcbergehend ausfiel (vgl. <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-6DASH8WX--wp3366 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:6DASH8WX}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>; <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-H9746524--wp3366 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:H9746524}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>;  <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-8NRJFS4U--wp3366 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:8NRJFS4U}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>). Die doppelte Herausforderung, steigenden Energiekonsum mit Bem\u00fchungen um eine Kohlendioxidreduktion verbinden zu  m\u00fcssen, hat zur Folge, dass neben den Vorst\u00f6\u00dfen zur Energiewende auf Basis von Solar- und Windkraft heute in den aufstrebenden Industriestaaten neue Uranreaktoren gebaut werden und sich auch in Westeuropa wieder Stimmen Geh\u00f6r verschaffen, die den Ausbau der Atomindustrie fordern (vgl. <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-9FES834E--wp3366 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:9FES834E}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>; <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-3IQFMB97--wp3366 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:3IQFMB97}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>). <\/p>\n\n\n\n<p>Gleichzeitig wird kr\u00e4ftig in die Entwicklung der Kernfusion investiert. Die aus der Forschung abgeleitete vision\u00e4re Zukunftstechnologie soll sowohl die \u201enet-zero-emission\u201c garantieren als auch sicherer sein als die Uranspaltung. Da letztere ungel\u00f6ste Probleme hervorrief, verlagerte sich die Hoffnung auf die Kernfusion als der j\u00fcngeren Variante der Atomforschung, f\u00fcr die das notwendige Grundlagenwissen zwar vorhanden ist, der technische Durchbruch aber noch aussteht. Die Entwicklung der Kernfusion ist \u00fcbergeordnetes Ziel des International Thermonuclear Experimental Reactors (ITER) in Frankreich, eines sich im Bau befindlichen globalen Megaprojekts (vgl. <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-9WMHD3FE--wp3366 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:9WMHD3FE}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>; <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-FICRHFU5--wp3366 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:FICRHFU5}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>).<span class=\"footnote_referrer\"><a role=\"button\" tabindex=\"0\" onclick=\"footnote_moveToReference_3366_1('footnote_plugin_reference_3366_1_1');\" onkeypress=\"footnote_moveToReference_3366_1('footnote_plugin_reference_3366_1_1');\" ><sup id=\"footnote_plugin_tooltip_3366_1_1\" class=\"footnote_plugin_tooltip_text\">[1]<\/sup><\/a><span id=\"footnote_plugin_tooltip_text_3366_1_1\" class=\"footnote_tooltip\"><\/span><\/span><\/p>\n\n\n\n<p>Das milliardenschwere Vorhaben, die Kernfusion als Energieressource nutzbar zu machen, entspringt erstens einer optimistischen Erwartungshaltung gegen\u00fcber dem k\u00fcnftigen Nutzen der Anwendungsforschung, braucht zweitens eine gut koordinierte Zusammenarbeit und ben\u00f6tigt drittens viele Spezialist:innen. Der vorliegende Beitrag entwickelt die These, dass sich das Zusammenspiel dieser drei Faktoren \u2013 Optimismus, Kollaboration, Expertisebedarf \u2013 auf das Bildungswesen auswirken kann, weil die Nachfrage nach passenden Qualifikationen steigt. Am Beispiel der Etablierung der Atomforschung in der BRD und in der DDR in der zweiten H\u00e4lfte der 1950er-Jahre wird verdeutlicht, dass die Forschungsf\u00f6rderung Reformen der technischen Bildung nach sich zog. Die historische R\u00fcckschau soll den Blick sch\u00e4rfen f\u00fcr die bildungspolitische Dimension der aktuellen Transformation. Dar\u00fcber hinaus zeigt der Beitrag, dass die \u201egeteilte Geschichte\u201c Deutschlands in eine international \u201everschr\u00e4nkte Geschichte\u201c eingebettet war, weshalb die deutsch-deutsche Nukleargeschichte auch eine Auseinandersetzung mit theoretischen Bezugspunkten erlaubt.<span class=\"footnote_referrer\"><a role=\"button\" tabindex=\"0\" onclick=\"footnote_moveToReference_3366_1('footnote_plugin_reference_3366_1_2');\" onkeypress=\"footnote_moveToReference_3366_1('footnote_plugin_reference_3366_1_2');\" ><sup id=\"footnote_plugin_tooltip_3366_1_2\" class=\"footnote_plugin_tooltip_text\">[2]<\/sup><\/a><span id=\"footnote_plugin_tooltip_text_3366_1_2\" class=\"footnote_tooltip\"><\/span><\/span><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>1. Optimismus: Atomeuphorie als Grundlage von politischer Steuerung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Nach dem Zweiten Weltkrieg unterlagen die deutschen Besatzungszonen Restriktionen, die jegliche anwendungsbezogene Atomforschung verboten. Das Jahr 1955 markierte in zweifacher Hinsicht einen Wendepunkt. Erstens wurden die Souver\u00e4nit\u00e4t der BRD und der DDR hergestellt und die Forschungsrestriktionen aufgehoben. Zweitens erkl\u00e4rten sich Regierungen weltweit bereit, im Rahmen des UN-Programms \u201eAtome f\u00fcr den Frieden\u201c (vgl. <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-AZ2DRWUB--wp3366 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:AZ2DRWUB}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>) Wissen mit anderen Nationen zu teilen und durch Technologiespenden den Ausbau des Atomenergiesektors international zu unterst\u00fctzen. Sowohl die USA als auch die UdSSR trieben das Programm voran, denn sie setzten \u201eAtome f\u00fcr den Frieden\u201c strategisch als Wirtschaftshilfe ein, um ihren Vorsprung gegen\u00fcber dem feindlichen Block zu vergr\u00f6\u00dfern und neue Verb\u00fcndete f\u00fcr sich zu gewinnen (vgl. <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-BGHUQUG8--wp3366 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:BGHUQUG8}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>). Das Machtungleichgewicht und Wissensgef\u00e4lle zwischen den USA und der BRD f\u00f6rderte im Westen eine \u201akoproduzierte Hegemonie\u2018 (vgl. <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-AUWZ44A5--wp3366 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:AUWZ44A5}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>; <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-NPPD4ICW--wp3366 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:NPPD4ICW}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>), w\u00e4hrend die Kontrolle, die die UdSSR \u00fcber die DDR aus\u00fcbte, die Dynamik im Osten pr\u00e4gte.<\/p>\n\n\n\n<p>Getragen von Hoffnungen auf einen wirtschaftlichen Aufschwung mittels einer noch zu entwickelnden Spitzentechnologie wurde die Atomforschung in beiden deutschen Republiken rasch ausgebaut. Diese Entwicklung war von einer kontextspezifischen Aufholrhetorik angetrieben, die auf das zehnj\u00e4hrige Verbot der Anwendungsforschung zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Die Forschungsrestriktionen versch\u00e4rften den Mangel an Wissenschaftler:innen, der mit der \u201aRekrutierung\u2018 der Forschungselite durch die westlichen Alliierten 1945 bzw. deren \u201aVereinnahmung\u2018 durch die UdSSR entstanden war (vgl. <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-UHXKMX8U--wp3366 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:UHXKMX8U}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>; <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-UFUX92FX--wp3366 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:UFUX92FX}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>; <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-WG9BC56T--wp3366 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:WG9BC56T}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>; <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-ZGF6SWP4--wp3366 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:ZGF6SWP4}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>; <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-G36BDNG3--wp3366 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:G36BDNG3}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>). Mitte der 1950er-Jahre war die zivile Nutzung der Kernenergie mit Ausnahme der medizinischen Anwendung von Radioisotopen und versuchsweise in Betrieb genommener Schiffsantriebe noch Utopie.<span class=\"footnote_referrer\"><a role=\"button\" tabindex=\"0\" onclick=\"footnote_moveToReference_3366_1('footnote_plugin_reference_3366_1_3');\" onkeypress=\"footnote_moveToReference_3366_1('footnote_plugin_reference_3366_1_3');\" ><sup id=\"footnote_plugin_tooltip_3366_1_3\" class=\"footnote_plugin_tooltip_text\">[3]<\/sup><\/a><span id=\"footnote_plugin_tooltip_text_3366_1_3\" class=\"footnote_tooltip\"><\/span><\/span> Um den Innovationsprozess in Gang zu setzen, wurden Experimentalreaktoren gebaut, und zwar sowohl am 1956 gegr\u00fcndeten Zentralinstitut f\u00fcr Kernphysik in Rossendorf (Ost) als auch am 1956 gegr\u00fcndeten Kernforschungszentrum in Karlsruhe (West).<span class=\"footnote_referrer\"><a role=\"button\" tabindex=\"0\" onclick=\"footnote_moveToReference_3366_1('footnote_plugin_reference_3366_1_4');\" onkeypress=\"footnote_moveToReference_3366_1('footnote_plugin_reference_3366_1_4');\" ><sup id=\"footnote_plugin_tooltip_3366_1_4\" class=\"footnote_plugin_tooltip_text\">[4]<\/sup><\/a><span id=\"footnote_plugin_tooltip_text_3366_1_4\" class=\"footnote_tooltip\"><\/span><\/span><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"652\" src=\"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Abb1_GLAK-69-KFK-Nr.-259-1024x652.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4736\" srcset=\"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Abb1_GLAK-69-KFK-Nr.-259-1024x652.jpeg 1024w, https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Abb1_GLAK-69-KFK-Nr.-259-300x191.jpeg 300w, https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Abb1_GLAK-69-KFK-Nr.-259-150x96.jpeg 150w, https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Abb1_GLAK-69-KFK-Nr.-259-768x489.jpeg 768w, https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Abb1_GLAK-69-KFK-Nr.-259.jpeg 1052w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>A<em>bb. 1. Baustelle des Forschungsreaktors FR-2 am Kernforschungszentrum Karlsruhe im Dezember 1958 (QUELLE: Generallandesarchiv Karlsruhe, Bestand 69 KFK, Nr. 259, Fotograf unbekannt)<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Der \u00dcbergang von der \u201espekulativen Phase\u201c zur realen Atomindustrie erfolgte erst ein Jahrzehnt sp\u00e4ter (vgl. <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-RAAJG37E--wp3366 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:RAAJG37E}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>). Dennoch setzte die Atomeuphorie schon fr\u00fch Bildungsreformen in Gang, denn der Erwerb von Kenntnissen sollte auf die erw\u00fcnschte Gesellschaft von morgen vorbereiten. So geht aus Protokollen der westdeutschen Kultusministerkonferenz von 1958 hervor, dass aus dem Ist-Stand und der Prognose die Schlussfolgerung gezogen wurde, dass dringend Ma\u00dfnahmen zur Erh\u00f6hung des Ausbildungsangebots in den kerntechnisch relevanten Bereichen zu ergreifen seien (vgl. <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-FAKKJ499--wp3366 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:FAKKJ499}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>2. Kollaboration: Wissenstransfer trotz und wegen des Kalten Krieges<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Viele Kenntnisse der Atomforschung, insbesondere \u00fcber den Reaktorbetrieb, mussten sich die Deutschen zun\u00e4chst international beschaffen. Weil vor dem Hintergrund der Systemkonkurrenz geostrategische Interessen mit dem praktisch verwertbaren Wissen \u00fcber die Kerntechnik verkn\u00fcpft waren, zirkulierte dieses nicht losgel\u00f6st von der B\u00fcndnispolitik um den Globus.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Anfang der Atomforschung in der BRD ist bezeichnend f\u00fcr ihre Westanbindung, denn sie profitierte von Kursen \u00fcber Radioisotopen und Reaktoren, die an den US-amerikanischen Forschungszentren in Oak Ridge und Argonne angeboten wurden und zu denen die US-Regierung ab 1955 G\u00e4ste aus \u201ebefreundeten Nationen\u201c einlud  (vgl. <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-BGHUQUG8--wp3366 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:BGHUQUG8}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>). 1957 wurden im Haushalt des Bundesministeriums f\u00fcr Atom- und Wasserwirtschaft 3,6 Millionen D-Mark f\u00fcr Ausbildungszwecke bereitgestellt.<span class=\"footnote_referrer\"><a role=\"button\" tabindex=\"0\" onclick=\"footnote_moveToReference_3366_1('footnote_plugin_reference_3366_1_5');\" onkeypress=\"footnote_moveToReference_3366_1('footnote_plugin_reference_3366_1_5');\" ><sup id=\"footnote_plugin_tooltip_3366_1_5\" class=\"footnote_plugin_tooltip_text\">[5]<\/sup><\/a><span id=\"footnote_plugin_tooltip_text_3366_1_5\" class=\"footnote_tooltip\"><\/span><\/span> Ein Drittel entfiel auf Auslandsaufenthalte, unter der Annahme, dass die BRD noch weitgehend auf Unterst\u00fctzung angewiesen sei (vgl. <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-HXHUSDZ9--wp3366 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': '7', 'items': '{2445049:HXHUSDZ9}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>). Zwei Jahre sp\u00e4ter richtete die BRD am Kernforschungszentrum Karlsruhe eine \u201eSchule f\u00fcr Kerntechnik\u201c ein, die dieselben Kurse anbot wie die genannten US-amerikanischen Forschungszentren. Die Kurse dienten der Spezialisierung von Absolvent:innen naturwissenschaftlicher und technischer Studieng\u00e4nge. Weil von einem steigenden Bedarf an Fachkr\u00e4ften f\u00fcr die aufstrebende Atomindustrie ausgegangen wurde, wurden an der \u201eSchule f\u00fcr Kerntechnik\u201c zudem bald Weiterbildungen zum\/r Reaktoroperateur:in und zum\/r Reaktoringenieur:in eingerichtet. F\u00fcr erstere war eine abgeschlossene Berufsausbildung erforderlich, f\u00fcr letztere der Abschluss einer Ingenieurschule (vgl. <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-TDUUC8TP--wp3366 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:TDUUC8TP}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>). <\/p>\n\n\n\n<p>Die Tatsache, dass die \u201eSchule f\u00fcr Kerntechnik\u201c nicht Teil einer Bildungsinstitution war, sondern einem au\u00dferuniversit\u00e4ren Forschungsinstitut angegliedert wurde, ist bemerkenswert, entsprach aber den Entwicklungen in Norwegen, Belgien, der Schweiz und anderen L\u00e4ndern, die ebenfalls das Kurswesen der USA kopierten. Die westeurop\u00e4ischen Regierungen begr\u00fc\u00dften \u201eAtome f\u00fcr den Frieden\u201c, weil sie Zugang zu Expertise erhielten, die ihnen half, ihre Atomprogramme voranzubringen. Durch bilaterale Abkommen mit den USA bekamen sie au\u00dferdem Zugang zu Uranbrennst\u00e4ben (vgl. <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-BGHUQUG8--wp3366 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:BGHUQUG8}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>).<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"789\" src=\"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Abb2_GLAK-69-KFK-Nr.-1028-1024x789.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4737\" srcset=\"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Abb2_GLAK-69-KFK-Nr.-1028-1024x789.jpeg 1024w, https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Abb2_GLAK-69-KFK-Nr.-1028-300x231.jpeg 300w, https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Abb2_GLAK-69-KFK-Nr.-1028-150x116.jpeg 150w, https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Abb2_GLAK-69-KFK-Nr.-1028-768x592.jpeg 768w, https:\/\/bildungsgeschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Abb2_GLAK-69-KFK-Nr.-1028.jpeg 1386w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Abb. 2. In zahlreichen L\u00e4ndern war die Atomforschung 1955 noch in den Anf\u00e4ngen. Gro\u00dfbritannien war nach der Sowjetunion das zweite Land der Welt, das \u00fcber ein Kernkraftwerk verf\u00fcgte. Die Karte veranschaulicht den hohen Uranabbau in der DDR, der ihr aber nicht zu einem Vorsprung verhalf (QUELLE: Generallandesarchiv Karlsruhe, Bestand 69 KFK, Nr. 1028, \u201eAtom f\u00fcr den Frieden\u201c (sic!), 10.8.1955, Illustrator unbekannt)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Im geteilten Deutschland f\u00fchrte \u201eAtome f\u00fcr den Frieden\u201c zu \u00e4hnlichen Entwicklungen, die aber an den entgegengesetzten hegemonialen Zentren ausgerichtet waren. Die DDR \u201aprofitierte\u2018 von ihrer Zugeh\u00f6rigkeit zum Ostblock. Sie verf\u00fcgte zwar im Gegensatz zur BRD \u00fcber betr\u00e4chtliche eigene Uranvorkommen, die aber aufgrund der besatzungsbedingten \u201aZusammenarbeit\u2018 der sowjetischen Kernwaffenproduktion und Energiegewinnung zugef\u00fchrt wurden (vgl. <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-VG9JQT6S--wp3366 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:VG9JQT6S}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>). \u201eAtome f\u00fcr den Frieden\u201c verfestigte die Blockkonfrontation und f\u00fchrte zur internationalen Angleichung von Kursinhalten. Dies zeigt sich darin, dass 1955 die UdSSR der DDR ihre Hilfe beim Bau von Atomkraftstationen zusicherte. Das Ausbildungsangebot wurde erh\u00f6ht, indem an der TU Dresden eine Fakult\u00e4t f\u00fcr Kerntechnik eingerichtet und R\u00fcckkehrer:innen aus der Sowjetunion auf die Lehrst\u00fchle berufen wurden. Ebenso wie in der BRD waren Auslandsaufenthalte wichtig f\u00fcr den Import von Wissen, welches haupts\u00e4chlich am sowjetischen Forschungszentrum in Dubna erworben wurde. Die Koordination \u00fcbernahm hier das Amt f\u00fcr Kernforschung und Kerntechnik (vgl. <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-I8K32M9I--wp3366 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': '387-391', 'items': '{2445049:I8K32M9I}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>; <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-WG9BC56T--wp3366 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': '115-116', 'items': '{2445049:WG9BC56T}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>; <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-XE4H7ASR--wp3366 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': '73-76', 'items': '{2445049:XE4H7ASR}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>3. Expertisebedarf: Auf die Forschungsf\u00f6rderung folgte die Reform der Ingenieurbildung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Durch internationale Kontakte eigneten sich deutsche Forscher:innen wichtiges Grundlagenwissen f\u00fcr den Ausbau ihrer nationalen Atomprogramme an. Durch den Reaktorbau stieg aber weniger der Bedarf an akademisch gebildeten Spezialist:innen als vielmehr die Nachfrage nach technischen Fachkr\u00e4ften. Dies zeigte sich darin, dass vor dem Hintergrund von \u00dcberlegungen \u00fcber die industrielle Verwertung von Forschungsresultaten sowohl in der DDR als auch in der BRD Reformen an den Ingenieurschulen \u2013 also an der mittleren Qualifikationsstufe&nbsp;\u2013 vorgenommen wurden. Auch hier verliefen die Entwicklungen in Ost und West \u00e4hnlich, was sich dadurch erkl\u00e4ren l\u00e4sst, dass die Blockkonfrontation wenig an dem im 19. Jahrhundert institutionalisierten Typus der praxisorientierten Ingenieurschule \u00e4nderte.<\/p>\n\n\n\n<p>In beiden Republiken war die Fortbildung der Lehrkr\u00e4fte ma\u00dfgeblich auf die Verbreitung von technischen Kenntnissen angelegt. In der DDR wurde 1956 angeregt, Spezialist:innen f\u00fcr atom- und kernphysikalische Fragen zu Vorlesungen an die p\u00e4dagogischen Institutionen zu schicken (vgl. <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-I99N88NX--wp3366 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:I99N88NX}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>). Im selben Jahr bewilligte das westdeutsche Atomministerium Mittel, um den Lehrkr\u00e4ften der Ingenieurschulen die wichtigsten Grundlagen der Atomphysik und -chemie zu vermitteln (vgl. <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-9DR8ZUW2--wp3366 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:9DR8ZUW2}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>; <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-MN2X3CD9--wp3366 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:MN2X3CD9}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>). Die Karlsruher \u201eSchule f\u00fcr Kerntechnik\u201c war mit einem Spezialkurs an dieser Ma\u00dfnahme beteiligt (vgl. <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-3FQRXNSP--wp3366 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:3FQRXNSP}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>). Solche Kurse waren Bindeglieder f\u00fcr den Transfer von Wissen zwischen der au\u00dferuniversit\u00e4ren Forschung und dem formalen \u00f6ffentlichen Bildungssystem.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Ausbildungsangebot wurde erh\u00f6ht und das Qualifikationssystem systematisch ausgebaut. In der DDR galt das mittlere technische Kader \u2013 Ingenieur:innen, Techniker:innen, Laborant:innen, technische Assistent:innen \u2013 als unerl\u00e4sslich f\u00fcr die schnelle Entwicklung der Atomindustrie. Folglich wurden mehr Ausbildungen f\u00fcr sie geschaffen. 1959 wurde an den Ingenieurschulen mit der Heranbildung von Personal f\u00fcr den Betrieb von Kernkraftwerken, f\u00fcr die Strahlenmesstechnik und die Radiochemie begonnen. Nach 1969 nahm die neu gegr\u00fcndete Ingenieurhochschule Zittau eine zentrale Rolle f\u00fcr das Lehrgebiet Kernkraftwerkstechnik und Reaktorphysik ein (vgl. <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-WG9BC56T--wp3366 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': '115', 'items': '{2445049:WG9BC56T}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>; <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-S5C34DQZ--wp3366 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': '9', 'items': '{2445049:S5C34DQZ}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>). Auch in der BRD kam es 1969 zu einem Terti\u00e4risierungsschub, als die bestehenden Ingenieurschulen in Fachhochschulen umgewandelt wurden, um besser mit dem \u201awissenschaftlichen Fortschritt\u2018 Schritt zu halten und diesen in die industrielle Verwertung zu \u00fcberf\u00fchren (vgl. <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-BGHUQUG8--wp3366 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:BGHUQUG8}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>4. Folgerungen und offene Fragen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Mitte der 1950er-Jahre begannen die Regierungen der BRD und der DDR unabh\u00e4ngig voneinander die Atomforschung zu f\u00f6rdern und auszubauen. Der Wissensimport mittels Lehrg\u00e4ngen war daf\u00fcr von grundlegender Bedeutung. Die Kombination von \u201ageteilter\u2018 und \u201averschr\u00e4nkter\u2018 Geschichte erm\u00f6glicht es aufzuzeigen, dass die Entscheidungsprozesse in beiden Republiken \u00e4hnlich verliefen. Das \u201eAtome f\u00fcr den Frieden\u201c-Programm veranschaulicht, dass das Beziehungsgeflecht innerhalb der verfeindeten Lager des Kalten Krieges gut entwickelt war. Die Qualit\u00e4t der Beziehungen waren von milit\u00e4rischen und politischen Machtfragen, materiellen Abh\u00e4ngigkeiten und einem Wissens- und Technologievorsprung der UdSSR bzw. der USA gepr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das drei\u00dfig Jahre sp\u00e4ter, Mitte der 1980er-Jahre, von Ost und West gemeinsam beschlossene Programm zur F\u00f6rderung der Kernfusionstechnologie, das erst 2006 mit steigendem Druck zur Energiewende in den Entschluss zum Bau des ITER m\u00fcndete, symbolisiert eine neue Stufe der internationalen Kollaboration (vgl. <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-CC52498D--wp3366 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:CC52498D}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>). \u00c4hnlich wie seine Vorl\u00e4ufer, d.h. die Kernforschungszentren in Oak Ridge, Argonne, Dubna, Karlsruhe oder Rossendorf, konzentriert das ITER Spitzenkr\u00e4fte. Die Weitergabe von Wissen orientiert sich aber nicht mehr entlang der Trennlinien des Kalten Krieges. Wirtschaftliche Erw\u00e4gungen und das Energiedilemma gaben den Ausschlag f\u00fcr dieses globale Megaprojekt, eine Entwicklung, die durch den Umstand beg\u00fcnstigt wurde, dass die Atomforschung f\u00fcr die Waffenproduktion ausgereizt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr sp\u00e4tmoderne Gesellschaften sind Energietechnologien so zentral, dass Auseinandersetzungen \u00fcber ihre Zukunft unweigerlich politische Entscheidungen pr\u00e4gen (vgl. <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-8KA4PIDT--wp3366 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:8KA4PIDT}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>). Der Beitrag hat am Beispiel der Wissensdisseminationen nach 1955 dargelegt, dass die in die Nuklearkr\u00e4fte projizierte Hoffnung eine treibende Kraft war hinter der Forschungsf\u00f6rderung, mit der Bildungsreformen einhergingen. Durch das Zusammenspiel von Optimismus, Kollaboration und Expertisebedarf hatte der Ausbau der Atomforschung Folgen f\u00fcr die technische Bildung, weil neue Fort- und Weiterbildungen geschaffen und die Ingenieurbildung den Anforderungen der Kerntechnik angepasst wurden. <\/p>\n\n\n\n<p>Indem sie solche Mechanismen offenlegen, tragen historische Studien zu einem besseren Verst\u00e4ndnis des Atomzeitalters bei &#8211; und veranschaulichen dar\u00fcber hinaus den weitreichenden Einfluss des humankapitalistischen Denkens auf die Bildung. Inwiefern das Zusammenspiel von Optimismus, Kollaboration und Expertisebedarf der sp\u00e4tmodernen wissenschaftsbasierten Technologieentwicklung generell inh\u00e4rent sind, m\u00fcssen weitere Untersuchungen beantworten. Desweitern wird sich zeigen, ob und wie das Energiedilemma, das die Kernfusionstechnologie l\u00f6sen soll, den Bedarf an Fachkr\u00e4ften ver\u00e4ndern wird und Bildungsreformen als notwendig erscheinen l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p><div class=\"speaker-mute footnotes_reference_container\"> <div class=\"footnote_container_prepare\"><p><span role=\"button\" tabindex=\"0\" class=\"footnote_reference_container_label pointer\" onclick=\"footnote_expand_collapse_reference_container_3366_1();\">Anmerkungen<\/span><span role=\"button\" tabindex=\"0\" class=\"footnote_reference_container_collapse_button\" style=\"display: none;\" onclick=\"footnote_expand_collapse_reference_container_3366_1();\">[<a id=\"footnote_reference_container_collapse_button_3366_1\">+<\/a>]<\/span><\/p><\/div> <div id=\"footnote_references_container_3366_1\" style=\"\"><table class=\"footnotes_table footnote-reference-container\"><caption class=\"accessibility\">Anmerkungen<\/caption> <tbody> \r\n\r\n<tr class=\"footnotes_plugin_reference_row\"> <th scope=\"row\" class=\"footnote_plugin_index_combi pointer\"  onclick=\"footnote_moveToAnchor_3366_1('footnote_plugin_tooltip_3366_1_1');\"><a id=\"footnote_plugin_reference_3366_1_1\" class=\"footnote_backlink\"><span class=\"footnote_index_arrow\">&#8593;<\/span>1<\/a><\/th> <td class=\"footnote_plugin_text\">Bei der Kernfusion werden (die Wasserstoffe) Deuterium und Tritium zu Helium verschmelzt, was theoretisch rund die 2000-fache Menge an Energie freisetzt als aufgewendet wird. Die Schwierigkeit besteht darin, ein stabiles Plasma von hoher Temperatur und Dichte herzustellen, um den Prozess aufrechtzuerhalten und dass das Magnetfeld nicht mehr Energie verbraucht als produziert.<\/td><\/tr>\r\n\r\n<tr class=\"footnotes_plugin_reference_row\"> <th scope=\"row\" class=\"footnote_plugin_index_combi pointer\"  onclick=\"footnote_moveToAnchor_3366_1('footnote_plugin_tooltip_3366_1_2');\"><a id=\"footnote_plugin_reference_3366_1_2\" class=\"footnote_backlink\"><span class=\"footnote_index_arrow\">&#8593;<\/span>2<\/a><\/th> <td class=\"footnote_plugin_text\">Der Beitrag basiert auf geleisteter Forschungsarbeit im Rahmen meiner Dissertation, die sich auf Entwicklungen in den USA und Westeuropa konzentriert. Die geplante Quellenstudie zur DDR lie\u00df ich aufgrund der aktuell langen Wartefristen f\u00fcr Archivbesuche wieder fallen. Publizierte und digitalisierte Quellen geben aber Aufschl\u00fcsse \u00fcber die wichtigsten Grundz\u00fcge der Entwicklung in den sp\u00e4ten 1950er-Jahren, also vor dem pl\u00f6tzlichen Abbruch der Atomforschung in der DDR 1962, worauf ich in dieser Kolumne nicht eingehen kann.<\/td><\/tr>\r\n\r\n<tr class=\"footnotes_plugin_reference_row\"> <th scope=\"row\" class=\"footnote_plugin_index_combi pointer\"  onclick=\"footnote_moveToAnchor_3366_1('footnote_plugin_tooltip_3366_1_3');\"><a id=\"footnote_plugin_reference_3366_1_3\" class=\"footnote_backlink\"><span class=\"footnote_index_arrow\">&#8593;<\/span>3<\/a><\/th> <td class=\"footnote_plugin_text\">Radioisotopen (heute vermehrt Radionuklide genannt) sind instabil und zerfallen. Insbesondere in der Nachkriegszeit verband sich mit ihnen die Hoffnung auf eine Verbesserung von Biologie, Medizin und Landwirtschaft (vgl. <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-EN4ZDXEB--wp3366 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:EN4ZDXEB}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>; <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-WEUPVKHQ--wp3366 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:WEUPVKHQ}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>). An der Entwicklung von Schiffsantrieben war in der BRD das Forschungszentrum Geesthacht beteiligt (vgl. <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-A7IQEGIP--wp3366 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': 'np', 'items': '{2445049:A7IQEGIP}', 'format': '%a%, %d%, %p%', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>).<\/td><\/tr>\r\n\r\n<tr class=\"footnotes_plugin_reference_row\"> <th scope=\"row\" class=\"footnote_plugin_index_combi pointer\"  onclick=\"footnote_moveToAnchor_3366_1('footnote_plugin_tooltip_3366_1_4');\"><a id=\"footnote_plugin_reference_3366_1_4\" class=\"footnote_backlink\"><span class=\"footnote_index_arrow\">&#8593;<\/span>4<\/a><\/th> <td class=\"footnote_plugin_text\">Erstgenanntes ist heute das Helmholtz-Zentrum Dresden Rossendorf, zweitgenanntes Teil des Karlsruher Institut f\u00fcr Technologie, ein Verbund von Hochschule und Forschungszentrum der Helmholtz-Gemeinschaft.<\/td><\/tr>\r\n\r\n<tr class=\"footnotes_plugin_reference_row\"> <th scope=\"row\" class=\"footnote_plugin_index_combi pointer\"  onclick=\"footnote_moveToAnchor_3366_1('footnote_plugin_tooltip_3366_1_5');\"><a id=\"footnote_plugin_reference_3366_1_5\" class=\"footnote_backlink\"><span class=\"footnote_index_arrow\">&#8593;<\/span>5<\/a><\/th> <td class=\"footnote_plugin_text\">Dieser Betrag entsprach etwas 4,3 Prozent des Haushalts des Ministeriums (vgl. <span class=\"zp-InText-zp-ID--2445049-PQ58AIMQ--wp3366 zp-InText-Citation loading\" rel=\"{ 'pages': '523f', 'items': '{2445049:PQ58AIMQ}', 'format': '(%a%, %d%, %p%)', 'brackets': '', 'etal': '', 'separator': '', 'and': '' }\"><\/span>).<\/td><\/tr>\r\n\r\n <\/tbody> <\/table> <\/div><\/div><script type=\"text\/javascript\"> function footnote_expand_reference_container_3366_1() { jQuery('#footnote_references_container_3366_1').show(); jQuery('#footnote_reference_container_collapse_button_3366_1').text('\u2212'); } function footnote_collapse_reference_container_3366_1() { jQuery('#footnote_references_container_3366_1').hide(); jQuery('#footnote_reference_container_collapse_button_3366_1').text('+'); } function footnote_expand_collapse_reference_container_3366_1() { if (jQuery('#footnote_references_container_3366_1').is(':hidden')) { footnote_expand_reference_container_3366_1(); } else { footnote_collapse_reference_container_3366_1(); } } function footnote_moveToReference_3366_1(p_str_TargetID) { footnote_expand_reference_container_3366_1(); var l_obj_Target = jQuery('#' + p_str_TargetID); if (l_obj_Target.length) { jQuery( 'html, body' ).delay( 0 ); jQuery('html, body').animate({ scrollTop: l_obj_Target.offset().top - window.innerHeight * 0.2 }, 380); } } function footnote_moveToAnchor_3366_1(p_str_TargetID) { footnote_expand_reference_container_3366_1(); var l_obj_Target = jQuery('#' + p_str_TargetID); if (l_obj_Target.length) { jQuery( 'html, body' ).delay( 0 ); jQuery('html, body').animate({ scrollTop: l_obj_Target.offset().top - window.innerHeight * 0.2 }, 380); } }<\/script><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Quellen und Literatur<\/h2>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.zotero.org\/groups\/2445049\/bildungsgeschichte.de_-_bibliographien\/collections\/P77H7AZH\/items\/6DASH8WX\/collection\">Zur Zotero Library<\/a><\/p>\n\n\n\n\n<div id='zp-InTextBib-zotpress-ccf94f2d2a01485568b63e6b6aceca35' class='zp-Zotpress zp-Zotpress-InTextBib wp-block-group zp-Post-3366'>\r\n\t\t<span class=\"ZP_ITEM_KEY ZP_ATTR\">{2445049:STERSI33};{2445049:6DASH8WX};{2445049:H9746524};{2445049:8NRJFS4U};{2445049:9FES834E};{2445049:3IQFMB97};{2445049:9WMHD3FE};{2445049:FICRHFU5};{2445049:AZ2DRWUB};{2445049:BGHUQUG8};{2445049:AUWZ44A5};{2445049:NPPD4ICW};{2445049:UHXKMX8U};{2445049:UFUX92FX};{2445049:WG9BC56T};{2445049:ZGF6SWP4};{2445049:G36BDNG3};{2445049:EN4ZDXEB};{2445049:WEUPVKHQ};{2445049:A7IQEGIP};{2445049:RAAJG37E};{2445049:FAKKJ499};{2445049:BGHUQUG8};{2445049:PQ58AIMQ};{2445049:HXHUSDZ9};{2445049:TDUUC8TP};{2445049:BGHUQUG8};{2445049:VG9JQT6S};{2445049:I8K32M9I};{2445049:WG9BC56T};{2445049:XE4H7ASR};{2445049:I99N88NX};{2445049:9DR8ZUW2};{2445049:MN2X3CD9};{2445049:3FQRXNSP};{2445049:WG9BC56T};{2445049:S5C34DQZ};{2445049:BGHUQUG8};{2445049:CC52498D};{2445049:8KA4PIDT}<\/span>\r\n\t\t<span class=\"ZP_STYLE ZP_ATTR\">https:\/\/www.zotero.org\/styles\/bibliothek-fur-bildungsgeschichtliche-forschung<\/span>\r\n\t\t<span class=\"ZP_SORTBY ZP_ATTR\">creator<\/span>\r\n\t\t<span class=\"ZP_ORDER ZP_ATTR\">asc<\/span>\r\n\t\t<span class=\"ZP_TITLE ZP_ATTR\"><\/span>\r\n\t\t<span class=\"ZP_SHOWIMAGE ZP_ATTR\"><\/span>\r\n\t\t<span class=\"ZP_SHOWTAGS ZP_ATTR\"><\/span>\r\n\t\t<span class=\"ZP_DOWNLOADABLE ZP_ATTR\"><\/span>\r\n\t\t<span class=\"ZP_NOTES ZP_ATTR\"><\/span>\r\n\t\t<span class=\"ZP_ABSTRACT ZP_ATTR\"><\/span>\r\n\t\t<span class=\"ZP_CITEABLE ZP_ATTR\">1<\/span>\r\n\t\t<span class=\"ZP_TARGET ZP_ATTR\">1<\/span>\r\n\t\t<span class=\"ZP_URLWRAP ZP_ATTR\"><\/span>\r\n\t\t<span class=\"ZP_FORCENUM ZP_ATTR\">0<\/span>\r\n\t\t<span class=\"ZP_HIGHLIGHT ZP_ATTR\"><\/span>\r\n\t\t<span class=\"ZP_POSTID ZP_ATTR\">3366<\/span><div class='zp-List loading'>\n<div class=\"zp-SEO-Content\"><\/div><!-- .zp-zp-SEO-Content -->\n<\/div><!-- .zp-List --><\/div><!--.zp-Zotpress-->\n\n\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Atomenergie wird vielfach wieder als Zukunftstechnologie gepriesen. Die historische R\u00fcckschau auf Entwicklungen in Deutschland Ende der 1950er-Jahre soll den Blick sch\u00e4rfen f\u00fcr die bildungspolitische Dimension dieser Debatte.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":4738,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[51],"tags":[110,111,53,45,112,113],"class_list":["post-3366","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kolumne","tag-atomenergie","tag-atomzeitalter","tag-bildung","tag-ddr","tag-ingenieurschule","tag-technische-bildung"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3366","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3366"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3366\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4766,"href":"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3366\/revisions\/4766"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4738"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3366"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3366"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/bildungsgeschichte.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3366"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}